Politik : Richtig wichtig

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Schröder gewählt. So weit, so gut. Das Ereignis des Tages. Nun ist so eine Wahl, ob das Ergebnis sonderlich überrascht oder nicht, bedeutsam: Deutschland wird wieder regiert. Klar, das ist wichtiger als „Dumm gelaufen: Einbrecher sperrt sich selbst ein“, „Pole hortet in Szczecin gestohlene Bootsmotoren vom Scharmützelsee“ oder „Kompromiss bei Handy-Wechselgebühren in Sicht.“ Was der Kanzler mit dem Einbrecher, dem Polen und den Handys zu tun hat? Sie alle konkurrieren um Aufmerksamkeit. Die Nachrichtenagenturen, die Grundversorger mit aktuellen Informationen, meldeten all diese Vorkommnisse gegen halb zwölf. Nun wird dem Agentur-Nutzer, damit er die Bedeutung eines Vorgangs erkennen möge, gleich eine Ziffer mitgeliefert, die so genannte „Priorität“. Die Agenturen dpa, ddp, AP und AFP waren sich einig, dass der bestätigte Kanzler Priorität 2 hat. Der Pole, die Handys und der Einbrecher bekamen eine 4. Reuters allerdings scherte aus. Reuters vergab der eigenen Eilmeldung über Schröder die Priorität 1. Die ist sonst Kriegsausbrüchen vorbehalten. Nun stammt Reuters aus dem englischsprachigen Raum, aber muss Schröders Wahl deshalb gleich als Kriegserklärung gelten? Übrigens: dpa, die Deutsche Presseagentur also, war die flinkste beim Vermelden der ordentlichen Regierungs-Fortsetzung. Und noch etwas Bemerkenswertes passierte an diesem Dienstag. „Bei der geheimen Wahl im Berliner Reichstagsgebäude stimmten 305 Abgeordnete für den 58-jährigen SPD-Vorsitzenden. Damit übertraf Schröder deutlich/knapp die nötige Kanzlermehrheit von mindestens 302 Stimmen“, vermeldete eine Agentur, deren Namen wir schonend zurückhalten. Fehler passieren ja jedem. Oder war das Absicht? „Deutlich/knapp“, ist das die minimalmögliche Andeutung aller zur Verfügung stehenden Kommentarmöglichkeiten? Gar Philosophie?

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