Politik : Rigide Römer

Italien schiebt mutmaßliche Islamisten und ihre Familien ab

Thomas Migge[Rom]

Italien ist verunsichert. Die Ermordung von 19 Soldaten bei einen Anschlag im Südirak hat das Land tief getroffen. Doch um keine Schwäche zu zeigen, geht Italien entschlossener denn je gegen Terroristen vor: In dieser Woche wurden mehrere mutmaßliche Islamisten ausgewiesen.

Zuerst wurde Fall Mamour abgeschoben. Gegen den Senegalesen ermittelte die Polizei in Turin seit Jahren. Der Imam der kleinen Ortschaft Carmagnola hatte die Attentate von Al Qaida mehrfach gutgeheißen. Mamour, seine italienische Frau und die vier gemeinsamen Kinder wurden auf richterliche Anweisung ausgewiesen. Die Entscheidung wurde in nur wenigen Stunden in die Realität umgesetzt; gegen den lautstarken Protest von Muslimen in Carmagnola und Turin.

Kurz darauf kam es zu weiteren spektakulären Ausweisungen, die ebenfalls in nur wenigen Stunden nach der Entscheidung des Gerichts vollzogen wurden. Es handelte sich um sieben Muslime aus dem Maghreb, die als Schläfer auf ihren Einsatz in Italien gewartet haben sollen. Davon sind die Polizei und das Innenministerium überzeugt. Innenminister Giuseppe Pisanu spricht im Fall der sieben Ausgewiesenen von „gefährlichen Subjekten, die wir schon lange beobachtet hatten“.

Drei Jahre ermittelte die Anti-Terror-Polizei in Turin gegen die sieben Maghrebiner unter der Führung des 27-jährigen Noureddine Lamour. Sie sollen der Organisation „Fighting Islamic Group“ angehören, die aus dem muslimischen Kampf gegen den libyschen Staatsführer Muammar al Gaddafi entstanden ist und laut Innenminister Pisanu heute mit Al Qaida in enger Verbindung stehen soll. Zur gleichen Gruppe sollen auch einige Mudschahedin aus Afghanistan gehört haben, die sich im muslimischen Zentrum in Mailand aufhielten und heute im US-Gefängnis in Guantanamo Bay einsitzen.

Das Ministerium entschied sich für die sofortige Ausweisung der mutmaßlichen Terroristen, weil sie in verschiedenen muslimischen Glaubenszentren in ganz Italien proterroristische Propaganda betrieben haben sollen. Immer wieder hätten sie versucht, Nachwuchs für ihre Organisation zu werben, so ein Bericht der Turiner Anti-Terror-Polizei. Es werden nicht die letzten Ausweisungen gewesen sein. Die Regierung hat deutlich gemacht, fortan wesentlich entschiedener als bisher gegen jene Muslime vorgehen zu wollen, die terroristischen Organisationen angehören.

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