Politik : Rinderwahn: Das große Fressen: Neue Debatte über Tiermehl

Ruth Ciesinger

Weil die meisten Experten davon ausgehen, dass sich Rinder über verseuchtes Tiermehl mit BSE infiziert haben, fressen seit fast einem Jahr europäische Wiederkäuer kein Tiermehl mehr. Deutschland hat neben dem Verfüttern von tierischen Proteinen das von tierischen Fetten gleich mitverboten. Aber der ein oder andere will nun die getroffenen Regelungen überdenken.

Wolfgang Birthler, Landwirtschaftsminister aus Brandenburg und Vorsitzender der Agrarministerkonferenz, fragt, "ob das nahezu totale Verfütterungsverbot tierischer Proteine und Fette auf Dauer sinnvoll ist". Im Bundesverbraucherschutzministerium ist man zurückhaltender. Das Thema werde in Zukunft "vermutlich differenzierter" diskutiert, so eine Sprecherin. Fischmehl zum Beispiel wird seit April wieder an Fische, Schweine und Geflügel verfüttert. Tiermehl aber ist auf unbegrenzte Zeit verboten. Wenn es doch wieder verfüttert werden dürfte, dann nur, wenn es nicht, wie vor der Krise, auch aus den Kadavern von kranken Tieren produziert wird. Zuerst aber müssten sich entsprechende EU-Gesetze ändern.

Das Europäische Parlament berät demnächst über eine solche Vorlage. Darin heißt es, dass Tiermehl nur aus ausgesuchten Schlachtabfälle hergestellt werden darf. Tierischer Kanibalismus ist verboten und dementsprechend müssen die Futtermittel-Produktionsanalagen auch räumlich getrennt sein. Bis das Gesetz entschieden wird, dauert es aber noch - mindestens bin zum kommenden Herbst, schätzt man im Verbraucherministerium.

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