Politik : Rinderwahn: Erster BSE-Verdacht bei Jungrind im Saarland

Die Zahl der BSE-Fälle in Deutschland steigt weiter. Im Saarland steht seit Dienstag ein erst 25 Monate altes Rind unter BSE-Verdacht. In Baden-Württemberg wurden am selben Tag zwei neue Verdachtsfälle gemeldet. Bislang wurde der Erreger bei 14 hier geborenen Rindern nachgewiesen. Sieben Fälle wurden in Bayern bekannt, drei in Schleswig-Holstein, zwei in Niedersachsen und je einer in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Das jüngste Tier war 28 Monate alt.

Angesichts des BSE-Verdachts bei einem erst 25 Monate alten Rind erklärte das Saar-Gesundheitsministerium, damit erweise es sich als richtig, dass im Saarland auch unter 30 Monate alte Schlachttiere auf BSE getestet werden. Bislang sind BSE-Tests in Deutschland erst für über 30 Monate alte Schlachtrinder Pflicht. Die neue Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) strebt aber eine Herabsetzung dieser Grenze auf 24 Monate an. Die Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach rechnet bis zum Jahresende mit 200 bis 500 BSE-Fällen bei Rindern. Dabei handle es sich um eine grobe Schätzung auf Grund bisheriger BSE-Tests, der Zahl der dabei diagnostizierten Krankheitsfälle sowie der Erfahrungswerte aus anderen EU-Ländern, sagte der BSE-Experte der Behörde, Manfred Gareis, am Dienstag. An diesem Mittwoch treffen sich die Agrarstaatssekretäre der Länder in Berlin, um über BSE und die Folgen zu sprechen.

Bayerns Bauern können Futtermittel jetzt kostenlos auf Tiermehl-Rückstände überprüfen lassen. Die Kosten von rund 100 Mark je Kontrolle übernehme der Freistaat, sagte Landwirtschaftsminister Josef Miller. Bayern kündigte zudem eine Bundesratsinitiative an, wonach Tiermehl auch im Katzen- und Hundefutter verboten werden soll.

Auch Baden-Württemberg will die Futtermittelkontrollen ausweiten und die Kosten dafür übernehmen. Laut Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) sollte die Bundesregierung auch prüfen, ob man den derzeit geltenden Bußgeld-Rahmen bei Verstößen gegen das Tiermehl-Verfütterungsverbot von 50 000 Mark nicht "erheblich erweitern" und Verstöße künftig auch als Straftatbestände ahnden könne. Als Konsequenz aus der BSE-Krise legte Baden-Württemberg ein Soforthilfeprogramm für Landwirte in Höhe von zehn Millionen Mark auf.

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