Politik : Ringen um Frieden in Nahost: Erst Beobachter, jetzt Vermittler

Andrea Nüsse

Schon das Gebäude in Amman macht klar: Hier sitzt nicht nur die US-Botschaft für das kleine jordanische Königreich, von hier aus wird die gesamte Region, einschließlich Irak und Palästina, mitbeobachtet. Das riesige, weitgestreckte Gebäude im Stile eines jordanischen Wüstenschlosses mit Zinnen und Türmen, auf denen riesige Antennen und Satellitenanlagen angebracht sind, nimmt einem fast den Atem, wenn man das erste Mal daran vorbeifährt. In dieser riesigen Anlage im Neureichen-Stadtteil Abdoun arbeitet der US-Botschafter nicht nur, hinter den hohen Mauern hat er auch seine Residenz. Und von hier aus greifen die USA nun wieder in den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ein.

Der amtierende Hausherr, Botschafter William J. Burns, ist von Außenminister Colin Powell soeben zum neuen Vermittler ernannt worden. Formal stieg der 44-jährige Burns, der seit 1998 die USA in Jordanien vertritt, zum Unterstaatssekretär für Nahost im Außenministerium auf. Zwar soll Burns ähnlich wie der Nahost-Sondergesandte von Ex-Präsident Bill Clinton, Denis Ross, zwischen beiden Seiten vermitteln, aber anders als Ross gehört der Karrierediplomat auch formal zum Außenministerium. Damit wäre die Entscheidung der Bush-Regierung, die Zahl der Sondergesandten zu reduzieren, gewahrt. William Burns ist ein erfahrener Diplomat, der die meiste Zeit seiner 20-jährigen Karriere dem Nahen Osten gewidmet hat. Diese begann 1982 in der Botschaft in Amman, wohin er 1998 als Botschafter zurückgekehrt ist. In dieser Eigenschaft hat er an den Verhandlungen in Wye Plantation in den USA zwischen Israel und den Palästinensern teilgenommen. Dazwischen war er unter anderem Direktor der Abteilung für den Nahen Osten und Südostasien im Nationalen Sicherheitsrat der USA, woher er den jetzigen Außenminister Colin Powell sehr gut kennt.

Burns soll nun helfen, die Vorschläge der Mitchell-Kommission umzusetzen, um die Gewalt in Nahost zu beenden. Dazu wird er Vertreter beider Seiten treffen und dann Powell und Bush persönlich unterrichten. Der verheiratete Burns, der zwei Töchter hat, studierte in Oxford Internationale Beziehungen. Diese Studien beendete er mit einem Doktortitel. Er spricht Arabisch, Französisch und Russisch und wird von jordanischen Politikern und Diplomaten im Land als bescheidener Mensch geschätzt. Die Kontakte zum jordanischen Königshaus werden als eng beschrieben, wie dies bei US-Botschaftern im Lande üblich ist. Bei seiner Vorstellung im Außenpolitischen Komitee des US-Senats vergangene Woche hat Burns bereits seinen Ansatz erklärt. Ein aktives Engagement der USA in Nahost sei keine "Option", sondern eine "Notwendigkeit", so Burns vor dem Gremium, das seine Nominierung noch bestätigen muss. Gewalt sei eine Sackgasse für beide Seiten in Nahost. Gleichzeitig räumte Burns ein, dass auch ein "hundertprozentiger Versuch, die Gewalt zu stoppen, nicht ausreicht." Wirtschaftliche Hoffnung und Vertrauen müssten wieder hergestellt werden. Damit nahm Burns einige Aspekte des Mitchell-Reports auf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben