Rio+20 : Gemeinsam handeln für die Umwelt - zumindest ein bisschen

Rio+20 war mit seinen mehr als 45.000 Teilnehmern der größte UN-Gipfel aller Zeiten. Aber was wurde auf der Konferenz erreicht? Eine Bilanz.

Dagmar Dehmer
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon beim Nachhaltigkeitsgipfel in Rio
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon beim Nachhaltigkeitsgipfel in RioFoto: afp

Achim Steiner hätte sich mehr vorstellen können. Vier Jahre lang hat der Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) den Weltnachhaltigkeitsgipfel Rio+20 inhaltlich mit vorbereitet. Ohne die von Unep angestoßene Diskussion über eine umweltfreundliche Wirtschaftsweise (Green Economy) wären die Ergebnisse im Gipfeldokument, das am Freitagabend vom Gipfel-Plenum gebilligt wurde, noch magerer ausgefallen. Das Dokument zeige vor allem eines, „wie weit die Weltgemeinschaft bereit ist, gemeinsam zu handeln“, oder eben gerade nicht. Das sagte Steiner nicht, es war aber gemeint. Steiner lobte das Papier dennoch, denn es enthalte „viele Aspekte“, auf denen sich aufbauen ließe. Mit anderen Worten: Niemand wird daran gehindert, zu handeln.

Bildergalerie: Diese Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht

Die Zahl der bedrohten Pflanzen und Tiere steigt
Mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten sind nach Angaben der Weltnaturschutzunion (IUCN) in Gefahr. Die Organisation hat zu Beginn des Umweltgipfels in Rio de Janeiro ihre Rote Liste bedrohter Arten vorgestellt. Nach jüngster Zählung sind etwa 33 Prozent der Korallenriffe vom Aussterben bedroht - ebenso 25 Prozent der Säugetiere, 13 Prozent der Vögel und eine von fünf Pflanzenarten.Alle Bilder anzeigen
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19.06.2012 17:28Mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten sind nach Angaben der Weltnaturschutzunion (IUCN) in Gefahr. Die Organisation hat...

Achim Steiner appellierte an Länder, die mehr dafür tun wollen, dass sich die Welt nicht mehr „in die komplett falsche Richtung entwickelt“. Genau das hat auch Umweltminister Peter Altmaier in seiner ersten Rede vor einem internationalen Gipfel angekündigt. Er will progressive Staaten zusammenbringen, um aus der deutschen Energiewende ein internationales Phänomen zu machen und er kann sich ähnliches für den Meeresschutz vorstellen. Da würde er bei Julia Gillard, der australischen Premierministerin, vermutlich offene Türen einrennen. Denn Australien hat gerade drei Millionen Quadratkilometer zu Meeresreservaten gemacht. Im übrigen hofft Gillard, dass die Welt sich schnell auf Meeresschutzgebiete auch außerhalb von Landesgrenzen, also auf Hoher See, einigt. Gillard kündigte an, ihr Land werde seine Entwicklungsmittel in den kommenden fünf Jahren um 60 Prozent erhöhen.

Dagegen stellte der indische Premierminister Manmohan Singh lediglich fest, dass „die Konsummuster in den Industriestaaten nicht nachhaltig sind“, was stimmt. Allerdings sah er dabei großzügig über die Konsummuster der wachsenden indischen Mittelschicht hinweg, deren Exzesse kaum hinter denen in Europa oder den USA zurückstehen. Im übrigen verlangte Singh, wie viele andere Staatschefs aus Entwicklungsländern, eine „Neuorientierung bei den intellektuellen Besitzrechten“, also Patenten oder anderen Regeln des Urheberschutzes.

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