Riskante Operationen : Koalition will weniger Schönheits-OPs

Nach Schönheitsoperationen beschwert sich jeder fünfte Patient in Deutschland über Komplikationen. Union und SPD wollen die immer häufigeren Schönheitsoperationen wegen der erheblichen Risiken jetzt eindämmen - vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Doch ein Verbot ist umstritten.

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Die Zahl der Schönheitsoperationen ist in den beiden letzten Jahren enorm gestiegen. -Foto: dpa

BerlinDie Große Koalition will den Missbrauch bei Schönheitsoperationen angesichts zehntausendfacher Nebenwirkungen eindämmen. Zu einem Gesetzesantrag von Union und SPD sollen am Mittwoch Experten in einer öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestages Auskunft geben. Die Zahl der Schönheitsoperationen ist innerhalb von zwei Jahren von 400.000 auf zuletzt mehr als eine Million enorm angestiegen, heißt es in dem Antrag. "Appelle allein sind nicht ausreichend", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Annette Widmann-Mauz (CDU).

Ob es allerdings ein generelles Verbot für medizinisch nicht nötige Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen geben soll, ist innerhalb der Koalition umstritten: Mit einem Verbot würde der Gesetzgeber ins Recht der Eltern eingreifen, die zustimmen wollen, sagte Widmann-Mauz. Deshalb befürworte sie zum gegenwärtigen Stand der Debatte diesen Schritt nicht.

Der SPD-Experte Karl Lauterbach hatte hingegen ein Verbot der Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen gefordert. Union und SPD wollen Bund und Länder drängen, Verbote unnötiger Schönheits-OPs an Minderjährigen zu prüfen. Zudem setzen sie auf mehr Aufklärung. Die SPD-Abgeordnete Mechthild Rawert forderte, dem Trend hin zur maßgeschneiderter Schönheit bei Kindern und Jugendlichen müsse etwas entgegengesetzt werden.

Jedes fünfte Kind wünscht sich eine Schönheits-OP

Jedes fünfte Kind zwischen 9 und 14 wünsche sich bereits eine solche Operation. Nach Angaben der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen werden zehn Prozent der Eingriffe an unter 20-Jährigen vorgenommen. Insgesamt berichten 22 Prozent der Frauen nach einem ästhetischen Eingriff von Nachwirkungen, wie aus einer Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hervorgeht.

Mögliche Risiken sind Taubheitsgefühle, Schwellungen, Infektionen, Lungenschäden und Entstellung. Nach einer US-Untersuchung kommt auf 5000 Fettabsaugungen ein Todesfall. Auch Medien und Ärzte müssten sich angesichts der gesundheitlichen Folgen ihrer Verantwortung noch stärker bewusstwerden, sagte Widmann-Mauz. Im Grundsatz teilt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) das Anliegen, die Operationen nur um der Schönheit Willen einzudämmen, wie eine Sprecherin sagte. Bereits zum April 2006 schränkte der Gesetzgeber die Werbung für Schönheits-OPs ein.

Die häufigste Schönheits-OP in Deutschland ist laut Studie die Faltenbehandlung mit hochgerechnet 200.000, dicht gefolgt von 192.000 Laserbehandlungen des Gesichts. In insgesamt 56.000 Fällen ließen sich Patientinnen die Brüste verkleinern, vergrößern oder straffen. Auch Korrekturen von Nase (39.000), Augenlid (34.000) und Ohren (23.000 Fälle) gehören zu den häufigeren Operationen. Am teuersten ist nach Angaben der befragten Ärzte ein Lifting von Gesicht, Hals oder Stirn mit durchschnittlich knapp 5800 Euro, am günstigsten eine so genannte Auflagerungsplastik mit Gesichtsimplantat für 408 Euro. Im Schnitt zahlten die befragten Patienten gut 3000 Euro. (jam/dpa/AFP)

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