Politik : Rockstar im Umweltressort

Peter Garrett nun Minister in Australiens Regierung

Alexander Hofmann

Canberra - Bei der Vorstellung der neuen Regierung in Australien überragte ein glatzköpfiger Riese alle anderen Mitglieder des Kabinetts. Aber nicht nur an Politik interessierten Menschen ist der Mann mit dem markanten Schädel ein Begriff, auch Rockfans kennen den neuen Umweltminister des fünften Kontinents bestens: Peter Garrett war fast 20 Jahre lang Leadsänger der auch international erfolgreichen Band Midnight Oil. Nach nur drei Jahren im Parlament in der Hauptstadt Canberra sitzt Garrett nun sogar in einem Ministersessel. Der 54-Jährige, der einen Wahlkreis in Sydney vertritt, ist aber kein politischer Neuling. Die „Oils“, wie die Band von ihren zahlreichen Fans genannt wurde, hatte sich immer auch als politische Einheit begriffen, vor allem Umweltanliegen, aber auch die Rechte der Ureinwohner wurden von ihr vertreten, außerdem protestierten Garrett und seine Band regelmäßig gegen US-Militäreinrichtungen in Australien.

Garrett, der schon zu Bandzeiten Präsident des Naturschutzverbandes war, ist allerdings seit seinem Eintritt in die australische Laborpartei deutlich von seinen radikalen Thesen abgerückt. Garrett hatte seinen Einstieg bei Labor damit begründet, dass man nur in einer Volkspartei etwas bewegen könne. Umweltschutz hatte bei den Wahlen am vergangenen Wochenende eine wichtige Rolle gespielt, denn die Regierung unter dem konservativen Premierminister John Howard hatte diesem Bereich kaum Bedeutung zugemessen.

Darum hatte Australien als einziges westliches Industrieland neben den USA das Kyoto-Abkommen nicht ratifiziert. Das soll jetzt unter dem neuen Regierungschef Kevin Rudd anders werden. Garrett ist die Verantwortung dafür aber abgenommen worden, denn die Abgeordnete Penny Wong bekam das Amt für Klimawandel und Wasser, das auf dem unter einer jahrelangen Dürre leidenden Inselkontinent ebenfalls eine besondere Bedeutung hat. Sie wird für das Kyoto-Abkommen und mögliche Nachfolgeverträge zuständig sein. Alexander Hofmann

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