Politik : Rösler will Anreize für Landärzte Minister richtet aber erst einmal Kommission ein

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Berlin - Ihr Argument war eines, das der Bundesminister nicht einfach vom Tisch wischen konnte: der zunehmende Ärztemangel in ländlichen Regionen. Um dem entgegenzuwirken, forderten die Länder am Montag unisono ein stärkeres Mitspracherecht – bei der Frage, wo sich Mediziner mit ihren Praxen niederlassen dürfen und wie man sie in unterversorgte Gebiete lockt ebenso wie bei den Kooperationsmöglichkeiten zwischen niedergelassenen Ärzten und örtlichen Kliniken. Doch Philipp Rösler (FDP) ließ seine Länderkollegen auflaufen. Und zumindest die SPD- Minister machten hernach aus ihrer Enttäuschung kein Hehl. Auf geradezu „unverschämte Weise“ sei man abgefertigt worden, schimpfte Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern. Ihre rheinland-pfälzische Kollegin Malu Dreyer sagte, sie habe selten erlebt, dass eine Sondersitzung der Gesundheitsministerkonferenz so ergebnislos geendet habe.

Dabei hatte auch der Bundesminister das Problem als ein durchaus drängendes beschrieben, das gemeinsam gelöst werden müsse. Die Instrumente zur Bedarfsplanung stammten noch aus den 90er Jahren. Die Arztpraxen seien falsch verteilt, der Mangel auf dem Land werde sich wegen der Demografie weiter verschärfen. Doch bei der Forderung nach Gesetzesänderungen, die den Ländern eine flexiblere und kleinräumigere Planung ermöglichen würden, spielte der Minister auf Zeit. Auf sein Betreiben hin soll es nun, wieder einmal, eine Kommission richten. Und deren Vorschläge würden, so versprach Rösler, dann noch im ersten Halbjahr 2011 in ein „Versorgungsgesetz“ münden.

Der Minister betonte, dass man nicht steuern, sondern die Ärzte mit mehr Anreizen aufs Land locken wolle. Dazu zähle, Grundleistungen wie Hausbesuche besser zu honorieren. Gleichzeitig müsse aber auch die Infrastruktur stimmen, etwa das Angebot an Kinderbetreuung. Seinen Vorschlag, die Studienplatzvergabe von der Bereitschaft abhängig zu machen, später als Landarzt zu arbeiten, wiederholte Rösler nicht mehr. Er war dafür von den Ärzten heftig kritisiert worden.

Die Grunderkenntnis, dass die Bedarfsplanung stärker auf die Besonderheiten der jeweiligen Region zugeschnitten werden müsse, sei mittlerweile „common sense“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl, dem Tagesspiegel. Wenn sich Länder und Kommunen hier stärker einbringen wollten, könne das nicht schaden. Allerdings dürfe keiner glauben, dass die Probleme einfach nur mit mehr Geld zu lösen seien. Angehenden Ärzten komme es, wie eine Umfrage unter 12 000 Studenten ergeben habe, vor allem auf das Lebensumfeld an: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Perspektiven für den Lebenspartner, Schulangebote, Kultur.

Unattraktiv sind nach Stahls Worten vor allem Provinzstädte unter 10 000 Einwohnern. Ärzte seien Freiberufler, sagte er, „die kann man nicht wie Beamte einfach irgendwohin schicken“. Nach KBV- Angaben sind derzeit 3600 Arztpraxen unbesetzt, darunter mehr als 2000 Hausarztsitze. Die Chefin des Krankenkassen- Spitzenverbandes Doris Pfeiffer, dagegen sprach von nur 800 fehlenden Landärzten – und betonte, dass diesem Mangel andernorts und speziell in Ballungsgebieten eine Überversorgung mit rund 25 000 Ärzten gegenüberstehe.

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