Roger Kusch : Hamburger Ex-Senator brüstet sich mit Sterbehilfe

Der ehemalige Justizsenator Roger Kusch will einer kranken Frau aus Süddeutschland bei ihrem Tod assistiert haben. Dafür hatt e er eine eigene Maschine entwickelt, die aber nach eigenen Angaben nicht zum Einsatz kam. Die Kirchen äußern mittlerweile Abscheu über den Fall.

Dieter Hanisch[Hamburg]
Entlassener Hamburger Justizsenator Roger Kusch
Hamburgs ehemaliger Justizsenator Roger Kusch -Foto: dpa

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat am Samstag nach eigenen Angaben in einem Fall Sterbehilfe geleistet. Nähere Einzelheiten sollen am heutigen Montag in Hamburg bekannt gegeben werden. Möglicherweise wird gar ein Video des Vorgangs vorgeführt. Kusch hatte Ende März einen selbst entwickelten Selbsttötungsautomaten für Sterbehilfe vorgestellt und angekündigt, das Gerät bei den Patienten aufbauen und diese beim Sterben begleiten zu wollen.

Der Sprecher und Geschäftsführer des Vereins „Dr. Kusch Sterbehilfe e.V.“, Guy Seidel, bestätigte den auf der Internetseite des Vereins vermerkten Fall, wollte aber keine näheren Angaben machen. Es soll sich bei der sterbewilligen Person um eine ältere, schwer kranke Frau aus Süddeutschland gehandelt haben.

Anfang des Monats hatte der 53-jährige Kusch das Vorhaben bereits angekündigt. Dabei hatte er aber noch von einem Mann als erstem Kandidaten für seinen im November 2007 erstmals vorgestellten Tötungsautomaten gesprochen. Ob dieses Gerät verwendet wurde, ließ Kuschs Sprecher am Sonntag gegenüber dem Tagesspiegel ausdrücklich offen. Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass sich die schwer kranke Frau mit der „Todesmaschine“ zunächst ein Betäubungsmittel und danach eine tödliche Kaliumchloriddosis injiziert habe.

Für die Tötungsmaschine gab es dem Vernehmen nach bereits rund 120 Anfragen, ein Dutzend Interessenten will Kusch selbst aufgesucht haben. Nach der Anzeige eines Kieler Privatmannes lief gegen ihn bereits ein Ermittlungsverfahren; es wurde allerdings wieder eingestellt.

Rechtlich sieht der Jurist Kusch sich auf der sicheren Seite. Seine Argumentation: Wenn Suizid nicht strafbar sei, könne es die Beihilfe dazu auch nicht sein. Anders verhält es sich bei einer Tötung auf Verlangen. Deshalb muss der Sterbewillige bei der Benutzung von Kuschs Tötungsapparat auch selbst den Knopf betätigen. Genau dies wollte Kusch früheren Aussagen zufolge mit der Videokamera festhalten.

Der ehemalige CDU-Politiker betonte in der Vergangenheit immer wieder, er wolle Sterbewilligen lediglich einen würdevollen Tod ermöglichen. Laut Seidel hat der Hamburger Verein rund 90 Mitglieder aus ganz Deutschland. Anke Appelhoff, Hamburger Ansprechpartnerin der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, meint jedoch, Kusch tue der Thematik mit seiner reißerischen Außenvermarktung „überhaupt keinen Gefallen“.

Für den Ethikexperten der Unionsfraktion im Bundestag, Hubert Hüppe, verfolgt Kusch in selbstdarstellerischer Manier ein „widerliches Ansinnen, mit dem er von seinem politischen Scheitern“ ablenken wolle. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke drückte ebenfalls seinen Unmut aus. „Eine Tötungsmaschine kann niemals menschenwürdig sein“, sagte er dem Tagesspiegel. Es könne „nicht gutgeheißen werden, wenn jemand ein instrumentalisiertes Töten unter dem Vorwand der Humanität anbietet.“ Kusch betreibe „eine Politik mit der Not der Menschen“, so der katholische Bischof. Auch die Nordelbische Evangelisch- Lutherische Kirche übte heftige Kritik. „Jeder Versuch des Menschen, über Leben und Sterben verfügen zu wollen, muss deutlich als anmaßend abgelehnt werden“, sagte der Hamburger Propst Jürgen Bollmann dem Tagesspiegel. Die Öffentlichkeit werde „hoffentlich die Absicht erkennen, dass sich hier jemand zu profilieren versucht, der mit den Nöten von Menschen spielt“. Die Kirche hingegen fordere den weiteren Ausbau der Palliativmedizin, „so dass Menschen nach einem hoffentlich würdevollen Leben auch in Würde und nicht unter zu großen Schmerzen sterben können.“

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