Rohstofffunde : Gas vor Zypern beunruhigt die Türkei

Am Meeresboden vor der israelischen Küste wurden Rohstoffe gefunden. Nun will auch Zypern einen Blick unter die Erde werfen. Die Türkei fürchtet benachteiligt zu werden.

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Rohstoffe können ein Quell des Reichtums sein – oder von Konflikten. Nachdem Israel den Fund mehrerer gigantischer Erdgasfelder vor seiner Küste meldete, will auch die Inselrepublik Zypern etwaige Gasvorkommen unter dem Meeresboden erforschen lassen. Doch die Türkei erhebt Einspruch: Ankara befürchtet, dass der türkische Inselteil ausgeschlossen bleiben wird. „Die Sache wird Folgen für den Zypernkonflikt und die türkischen Beziehungen zu Griechenland haben“, sagte der türkische Energieexperte Mete Göknel dem Tagesspiegel. „Das steht schon jetzt fest.“

Erst vor wenigen Wochen hatte die amerikanische Firma Noble Energy im Auftrag der israelischen Regierung neue Gasvorräte von rund 450 Milliarden Kubikmetern vor der Küste geortet. Rechnet man das neu entdeckte Reservoir zu den Lagern, die bereits 2009 lokalisiert wurden, kann Israel mit fast 700 Milliarden Kubikmeter Gas rechnen. Solche Mengen würden Israel fast über Nacht zu einem Energie-Exporteur machen.

Die israelischen Vorräte sind Teil des gigantischen Levant-Beckens, das nach Schätzungen bis zu 3,5 Billionen Kubikmeter Erdgas enthält und das sich unter dem Meeresboden vor der Küste Israels nach Norden zieht, in die Gewässer Libanons und Syriens und bis in die südlichsten Teile der Türkei hinein. Der Westen des Levant-Beckens liegt unter den Hoheitsgewässern von Zypern. Die dortige Regierung schätzt, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zu den israelischen Vorräten rund 280 Milliarden Kubikmeter Gas schlummern. Um Streit über den Schatz zu vermeiden, schlossen Zyprer und Israelis im Dezember ein Abkommen über die Festlegung der bilateralen Seegrenze.

Für Ankara ist die zyprisch-israelische Verständigung ein Alarmzeichen. Das Abkommen ignoriere die Rechte der türkischen Zyprer, kritisierte die türkische Regierung und bestellte den israelischen Botschafter in Ankara ins Außenministerium ein. International ist zwar die griechisch- zyprische Regierung die Vertreterin der Insel, doch die türkische Seite will es nicht hinnehmen, dass die Griechen ihren Alleinvertretungsanspruch für so weitreichende Entscheidungen wie die Ausbeutung der Gasvorräte nutzen. Aus Sicht der Türkei sei das zyprisch-israelische Grenzabkommen jedenfalls „null und nichtig“, zürnte die Regierung in Ankara.

Mit ihrem Engagement in internationalen Gas- und Ölprojekten hat die strategisch günstig gelegene Türkei versucht, sich als Drehscheibe für die Energieversorgung des Westens zu etablieren. Nun schickt sich Zypern an, diese Rolle zu übernehmen. Im aufgeheizten politischen Klima bleibt es nicht immer bei diplomatischen Wortgefechten. Vor zwei Jahren meldeten die Zyprer den Vereinten Nationen, die türkische Kriegsmarine habe norwegische Spezialschiffe zur Untersuchung von Rohstoffvorräten aus den Gewässern um Zypern vertrieben. „Niemand wird es hinnehmen, dass sich ein anderer seine Rechte an den Rohstoffen unter den Nagel reißt“, sagte Göknel.

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