Rolle der Bundeswehr : "Warum Soldaten?"

Eine Wandersausstellung zur Rolle der Bundeswehr: Die Bundeswehr wird in der Gesellschaft sehr unterschiedlich Wahrgenommen.

Volker Schubert

Berlin - Für Zweitklässlerin Nina ist die Antwort auf die Frage „Warum Soldaten?“ eindeutig: „Weil sie Länder beschützen und sie helfen den Menschen“, hat sie auf ihren Zettel geschrieben. Ihre Aussage ist eine von 500 sehr unterschiedlichen Statements zu der Frage, die im Zentrum der gleichnamigen Ausstellung im Bundespresseamt in Berlin steht. Neben Schülern und anderen Privatpersonen sind es zahlreiche Prominente, die sich an dem Projekt beteiligten; darunter die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier oder der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger. Ihre Meinungen zeichnen ein sehr unterschiedliches Bild von der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Bundeswehr. Den Statements in Form von Zeichnungen, Briefen und Interviews sind in der Ausstellung Porträtfotos von 500 Bundeswehrsoldaten gegenübergestellt, die ernst in die Kamera blicken.

„Nichts ist angesichts der Herausforderungen an den heutigen Soldaten schlimmer als Ignoranz“, sagt der ehemalige Wehrbeauftragte und Schirmherr der Ausstellung, Reinhold Robbe, dem Tagesspiegel. Und so kam der Impuls für die Ausstellung aus der Truppe selbst: Mit Blick auf den gefährlichen Afghanistaneinsatz dürfe man von der Gesellschaft schon einen „Tick mehr Interesse“ erwarten, sagt Leutnant Martin Albrecht. Albrecht, Student der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg, ist einer von zehn Initiatoren, die einen erneuten Diskurs über die Rolle der Bundeswehr entfachen wollten.

Im Frühjahr 2009 habe man mehr als 1000 Personen des öffentlichen Lebens angeschrieben und Dutzende Hamburger Passanten mit der Sinnfrage heutigen Soldatseins konfrontiert. „Wir wollten eine Reaktion“, sagt Albrecht, „gleich, ob sie zugewandt ist oder ablehnend“. So sind die auf der 20 Meter langen „Gesellschaftswand“ gezeigten Exponate alle ungefiltert und unkommentiert ausgestellt: darunter der Brief von Knobloch oder die Schilderung von Marlis Jöken, deren Tochter Jenny als Offiziersanwärterin auf dem Schulschiff „Gorch Fock“ 2008 tödlich verunglückte. Volker Schubert

Die Wanderausstellung „Warum Soldaten?“ ist bis zum 16. Juli im Bundespresseamt, Dorotheenstraße 84, 10117 Berlin, täglich von 8 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die nächsten Orte stehen noch nicht fest.

Weitere Infos: www.warum-soldaten.de

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