Politik : Rollenwechsel

Markus Feldenkirchen

Wer immer schon einmal eine Lehrstunde in selbstbewusstem Auftreten nehmen wollte, hätte den Auftritt von Guido Westerwelle am Montag nicht verpassen dürfen. Das Signal von Berlin laute: "Die FDP kann die 18 Prozent bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr schaffen", sagte ein zufriedener Parteichef. Dies habe das überraschende Ergebnis von 9,9 Prozent in der Hauptstadt gezeigt.

Doch vor den Träumen von einer besseren bundespolitischen Zukunft gilt es an diesem Montag zunächst, die Regierungsbeteiligung der FDP im Berliner Senat zu sichern. Westerwelle und der Kandidat Rexrodt lassen also kein Argument aus, um zu erklären, warum es in Berlin jetzt zu einer Ampelregierung kommen müsse.

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Und dann ist man auch schon wieder bei der Bundes-Zukunft. "Jetzt bewerben wir uns mit dem Rückenwind aus Berlin um eine Beteiligung an der nächsten Bundesregierung", sagte Westerwelle. Deshalb haben Vorstand und Präsidium der Liberalen gleich am Nach-Wahl-Morgen den Fahrplan für das kommende Jahr verabschiedet. Und Westerwelle hat seinen Vize Jürgen Möllemann gebeten, für den Bundestag zu kandidieren. Zudem soll er den Experten für Innenpolitik im FDP-Wahlkampfteam geben.

Möllemann soll sich künftig also auf dem letzten bisher noch nicht von ihm besetzten Politikfeld profilieren. Bisher kannte man ihn als Bildungs- und Wirtschaftsminister, als Verkehrsexperten, als Fachmann für Nahostfragen. Ja, die Außenpolitik hätte ihn auch interessiert. Jetzt eben Experte für Innenpolitik. Westerwelles Kalkül: Die innere Sicherheit wird eines der zentralen Themen im Wahlkampf 2002 sein. Da braucht man einen, der neben den Schilys, Schills und Becksteins, nicht untergeht. Einen, der präsent ist. "Das traue ich mir zu", sagte Möllemann. Das zweite Kalkül: Dass er selbst gerne Außenminister würde, wird Westerwelle schon länger nachgesagt.

Neben Möllemann sollen die stellvertretenden Parteichefs Brüderle (Wirtschaft) und Döring (Föderalismus) sowie Generalsekretärin Pieper (Bildung) das Kompetenzteam stärken. Westerwelle selber will das Team ohne gesonderte Zuständigkeit leiten. "Der Wahlkampf ist Chefsache und wird deshalb entscheidend von mir geprägt", sagte er. Dies sei aber kein Schattenkabinett. Er gehe realistischerweise nicht davon aus, dass die FDP in der nächsten Regierung elf Minister stelle. "Wir sind doch jetzt selbstbewusst, Guido", kommentierte Wahlsieger Rexrodt diesen Anflug von Bescheidenheit.

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