Politik : Rom kündigt Moratorium an Auch in den USA werden Projekte gestoppt

Rom/New York - Italien will sich mit der Rückkehr zur Atomenergie ein Jahr mehr Zeit lassen als geplant. Ein zwölfmonatiges „Moratorium für die Beschlüsse und die Suche nach Standorten“ soll am heutigen Mittwoch im Kabinett beschlossen werden. So hat es Industrieminister Paolo Romani angekündigt. Rom reagiere damit auf die „Sicherheitsdiskussionen auf europäischer Ebene“, sagte er. Ursprünglich wollte die Regierung Berlusconi in dieser Woche bereits die Standorte für die geplanten acht Reaktoren bekanntgeben. Der Grundstein sollte 2013 gelegt werden, der erste der neuen Reaktoren 2020 in Betrieb gehen.

Von den sechziger bis zu den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte Italien vier Großkraftwerke am Netz und zwei Megareaktoren im Bau. 1987 allerdings, im Jahr eins nach Tschernobyl, stimmte das Volk in einem Referendum mit einer Mehrheit von 80 Prozent für einen Ausstieg. Erst die Regierung Berlusconi betrieb von 2008 an die Rückkehr zur Atomkraft. Die Opposition hält das nun angekündigte Moratorium ohnehin für einen Trick Berlusconis in eigener Sache. Sie glaubt, der Regierungschef wolle die Beteiligung an einem für Juni geplanten Atom-Referendum drücken. Am selben Tag nämlich soll das Volk auch darüber abstimmen, ob sich Berlusconi per Gesetz von der Teilnahme an seinen Strafprozessen befreien lassen durfte.

Auch in den USA wurden indes Pläne für neue Atomreaktoren vorerst gestoppt. Die Betreibergesellschaft Nuclear Innovation North America lässt die Arbeiten an zwei neuen Blöcken eines Atomkraftwerks in Texas ruhen. Es sei derzeit unklar, ob wegen des Unglücks in Japan bauliche Änderungen vorgeschrieben würden, begründete das Unternehmen den Schritt. Das Brisante an der Situation: Der japanische Kraftwerksbetreiber Tepco stand seit Beginn des Projekts im Jahr 2006 als Berater zur Seite und hat zwischenzeitlich auch in den Neubau der Reaktoren investiert. pak/dpa

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