Politik : Rom statt Reisen

Fährt der Papst nach seinem Besuch in Polen nicht mehr ins Ausland?

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Von Thomas Migge, Rom

Johannes Paul II. ruht sich in diesen Tagen in Castel Gandolfo aus. Dort verfügt der Papst über eine prächtige Sommerresidenz mit großem Park. Ein Sommerurlaub in den Bergen ist nicht vorgesehen. Der Papst solle sich bei Rom ausruhen, so heißt es aus dem vatikanischen Pressebüro, denn er müsse sich auf seine nächsten Reisen vorbereiten.

Die Rede ist von einer Fahrt nach Polen und einer weiteren auf die Philippinen im Januar des kommenden Jahres. Anstrengende Reisen für einen alten und kranken Mann, für einen Pontifex, der erst vor kurzem von einem kräftezehrenden Besuch Kanadas und Mittelamerikas nach Rom zurückkehrte. Sein Gesundheitszustand, so römische Ärzte, war nach dieser Reise so schlecht wie schon lange nicht mehr. Karol Wojtyla wirkte sichtlich erschöpft. Er brachte nur noch wenige verständliche Worte über seine Lippen.

Kurienkardinäle sollen Vatikanexperten zufolge die Möglichkeit angedeutet haben, dass die Reise nach Polen die letzte Auslandsreise des Papstes sein wird. Bei dem für den 16. bis 19. August geplanten Besuch will Johannes Paul II. auch seine Heimatstadt Krakau besuchen. Dort will er am kommenden Sonntag eine Messe abhalten, zu der zwei Millionen Menschen erwartet werden. Nach dieser Reise werde er für immer in Rom bleiben, hieß es. Für immer, denn die immer intensiver auftretenden Krankheitssymptome des Papstes, vor allem die Auswirkungen der Parkinson-Erkrankung, ließen keine Reisen mehr zu. Wenn überhaupt, so soll einer der Kardinäle verraten haben, dann wird der Papst römische Gemeinden besuchen. Flugreisen in andere Länder oder auf andere Kontinente seien fortan tabu. Die Reise auf die Philippinen sei bereits abgesagt, hieß es.

Doch das vatikanische Pressebüro unter der Leitung des Opus-Dei-Mitglieds Joaquin Navarro Valls spricht auch weiterhin von dem guten Gesundheitszustand des Papstes. Dass der Besuch in seinem Heimatland Polen die letzte Tour des reiselustigsten Papstes der Kirchengeschichte sein könnte, davon will man im Pressebüro am Petersplatz gar nichts wissen. Einer der engsten Mitarbeiter des Papstes, der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, betonte indes, dass der Papst weiterhin körperlich bei Kräften und geistig hellwach sei. Bei seiner jüngsten Amerikareise habe er bewiesen, dass er „viel mehr Energie hat, als viele meinten“.

Doch Vatikanexperten wie Sandro Magister vom Magazin „L’Espresso“ gehen davon aus, dass „die 98. Papstreise auch die letzte sein wird“. Magister vermutet, dass „ganz bewusst Polen für eine letzte Reise ausgewählt worden sein könnte, denn immerhin liegt die katholische Bevölkerung dieses Landes diesem Papst ganz besonders am Herzen“. Auch andere Kenner von Vatikaninterna gehen davon aus, dass es mit dem Reisen bald vorbei sein könnte. Spricht man Geistliche der römische Kurie, die an der Vorbereitung der Papstreisen beteiligt sind, auf ein Ende der Auslandsfahrten an, dann sprechen sie ganz unumwunden von einer Erleichterung, sollte der Papst zukünftig im Vatikan bleiben. Schon bei den letzten Fahrten musste jeder Schritt des Papstes, dem das Gehen immer schwerer fiel, minutiös vorbereitet werden. „Das sind ganz große Probleme“, verrät ein Monsignore aus der Kurie, „denn jeder gefährliche Fehltritt muss ausgeschlossen werden“. Er ist davon überzeugt, dass „das Ende der Reisetätigkeit seiner Heiligkeit uns allen eine großen Stein vom Herzen nimmt“.

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