Politik : Ron Sommer gibt auf

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Sommer sagte, bevor die neue Führung bekannt gegeben wurde: „Wenn ein Vorstandsvorsitzender nicht über das volle Vertrauen des Aufsichtsrats verfügt, ist der Rücktritt der einzige Schritt.“ Dies sei sein Beitrag, um weiteren Schaden von dem Unternehmen abzuwenden, das in der öffentlichen Diskussion bereits erheblich gelitten habe.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) begrüßte den Führungswechsel. Angesichts des schwachen Kurses der T-Aktie sei der Wechsel an der Telekom-Spitze dringend notwendig gewesen. Es müsse jetzt ein neues Konzept her, das dem Konzern eine „klare Perspektive“ gebe. Die Neubesetzung des Telekom-Vorstandes mit Sihler und Tenzer nannte Eichel „überzeugend". Eichel forderte das neue Management auf, in den kommenden Jahren die Konsolidierung des Konzerns in den Vordergrund zu stellen. Im Klartext heißt das, die neue Führung soll auf eine weitere Expansion verzichten und die Kosten senken, um die Verschuldung der Telekom zu verringern. Sommer wird nach den Worten Eichels keine Abfindung erhalten. Allerdings werde er entsprechend seinem Vertrag Gehalt bis zum Jahr 2005 beziehen.

Seit Wochen wurde darüber diskutiert, ob Sommer noch der richtige Mann an der Spitze des Unternehmens ist. Zuletzt soll er die Rückendeckung des Bundeskanzlers und des Finanzministers verloren haben. Der Bund hält 43 Prozent der T-Aktien. Unbestätigten Informationen zufolge bereiten Aktionäre in den USA Klagen gegen den Bund vor, weil er sich zum Schaden des Aktienkurses in die Unternehmensgeschicke eingemischt habe.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte dem Tagesspiegel, der Vertreter des Ministeriums im Aufsichtsrat, Heribert Zitzelsberger, habe eine Erklärung zu Protokoll geben, worin zur Rolle des Aufsichtsrats-Vorsitzes in der öffentlichen Diskussion der vergangenen Tage Stellung genommen worden sei. Ob der Bund darin eine Ablösung des Aufsichtsratsvorsitzenden Winkhaus verlangte, wollte der Sprecher nicht sagen.

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, die Regierung habe „ein Weltunternehmen kaputt geredet". FDP-Chef Guido Westerwelle bezeichnete das Verhalten der Regierung und der Union als „Parteibuchwirtschaft". Die Telekom sei zum Spielball des Wahlkampfes geworden. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber hatte der Regierung Tatenlosigkeit vorgeworfen.

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