Politik : Rosa-Grün in Bayern

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Unterscheidet sich der bayerische Grüne vom Grünen an sich? Wenn Deutsche und Bayern zusammentreffen, ist es auf jeden Fall immer spannend: Was sind denn das für komische Alpen-Bewohner, fragen sich manche Nordlichter. Und die wundern sich, dass die Preußen vom schönen Leben so wenig verstehen. Als die Bundestagsfraktion der Grünen nun in Miesbach südlich von München tagte, trafen beim Bayerischen Abend im „Heustadl“ (zu deutsch: in der Scheune) des Bioguts Wallenburg wieder einmal Welten aufeinander. Miesbacher Parteifreunde monierten, dass es beim Buffet unter anderem Weißwürste gab – denn die werden traditionell nur vormittags gegessen. Doch Ex-Parteichefin Claudia Roth, in Bayern die prominenteste Grünen-Politikerin, startete einen Modernisierungsversuch und behauptete, auch die Esszeiten für Weißwürste würden nun flexibilisiert.

Zur Überraschung der Fraktion präsentierten die Gastgeber dann die „weltweit einzige schwule Plattlergruppe“. Die zwölf Schuhplattler wurden mit Ovationen und Bravorufen gefeiert. Nur Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck zeigte Mangel an Begeisterung. Der Politiker kämpft seit Jahren für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare. Der Großstädter aus Köln hat aber offensichtlich mit alpenländischer Floklore wenig am Hut. Jedenfalls wehrte er die Aufforderung seiner Kollegen zum Mittun kategorisch ab: „Dem Homosexuellen an sich ist es nicht gegeben, zu plattnern.“ Was die gesamtdeutsche Fraktion laut bejubelte, gefiel nicht allen einheimischen Grünen. „Die echten Schuhplattler sind kerniger“, moserte einer von ihnen zwischen den Trötentönen der Band: „Die haben ganz andere Waden.“

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