Rot-Rot-Grün : Andrea Ypsilanti wünscht Thüringer Genossen Glück

Vor sechs Jahren hat sie es selbst gewagt - und ist mit ihrem rot-rot-grünen Projekt in Hessen bitter gescheitert. Inzwischen kann die SPD-Politikerin Ypsilanti über damals auch lachen.

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Nah an der Linkspartei: Andrea Ypsilanti (l.), hier mit Sahra Wagenknecht im Jahr 2010.
Nah an der Linkspartei: Andrea Ypsilanti (l.), hier mit Sahra Wagenknecht im Jahr 2010.Foto: dpa

Die ehemalige SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti – 2008 in Hessen beim vorerst letzten Anlauf zu einer rot-rot-grünen Landesregierung gescheitert – hat in den sechs Jahren seitdem offenbar Abstand gewonnen. Der Tagesspiegel erreicht sie auf ihrem Handy in Südfrankreich. Der hessische Landtag macht Herbstferien. Lachend sagt sie, eigentlich sei sie es leid, immer wieder auf damals angesprochen zu werden. Aber weil man sich schon lange kennt, diktiert sie dann doch noch einen Satz zu Thüringen: „Ich freue mich, dass sie dort den Versuch wagen, und wünsche ihnen alles Gute“, sagt sie und klingt dabei ziemlich entspannt.

Nach ihrem Sturz im November 2008 war das anders. Am 3. November, dem Tag vor ihrer geplanten Wahl zur Ministerpräsidentin, hatten ihr drei Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion die Gefolgschaft verweigert, die den Kurs zuvor mit beschlossen hatten. Für die "Bild"-Zeitung war sie „Lügilanti“, CDU, FDP und sogar Teile ihrer eigenen Partei warfen ihr Wortbruch vor, weil sie vor der Wahl ein rot-rot-grünes Bündnis ausgeschlossen hatte und sich dann doch von den Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen wollte. Damals übernahm Thorsten Schäfer-Gümbel den SPD-Landesvorsitz, inzwischen ist er Bundesvize seiner Partei.

Chronologie der Widersprüche
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29.07.2009 08:29Januar 2008, Andrea Ypsilanti erklärt im Vorfeld der hessischen Landtagswahl in der "Bild"-Zeitung: "Es bleibt definitiv dabei:...

Auch heute noch sucht Andrea Ypsilanti nach linken Mehrheiten

Andrea Ypsilanti, mittlerweile 58 Jahre alt, sitzt seitdem nicht mehr in der ersten, sondern in der dritten Reihe des Landtags. Mit öffentlichen Auftritten und Kommentaren hält sie sich zurück. „Es ist guter Stil, dass man sich gegenüber dem Nachfolger beim Reden als Nachfolgerin zurückhält“, hat sie dazu erklärt. Immerhin ist sie Vorsitzende des Petitionsausschusses und vertritt ihre Partei im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks. Als Gründungsmitglied des Instituts Solidarische Moderne versucht sie Mehrheiten links von CDU und FDP zu organisieren. Kein Wunder also, dass Andrea Ypsilanti das 2RG-Experiment begrüßt.

Im September vergangenen Jahres hätte sie wohl lieber für den Bundestag als für den Landtag kandidiert, um einen persönlichen Neuanfang zu wagen. Doch ihr Wunsch stieß bei der Parteiführung auf wenig Gegenliebe, und eine Kampfkandidatur mochte sie sich nicht zumuten. Immerhin mischt sie weiter mit.

Das gilt auch für eine ihrer damaligen Gegenspielerinnen. Dagmar Metzger, die 2008 in Darmstadt direkt gewählte SPD-Landtagsabgeordnete, hatte sich sehr früh vom rot-rot-grünen Kurs Ypsilantis abgesetzt. Metzger verzichtete auf eine erneute Landtagskandidatur, weil ihr Vorgehen im Wahlkreis umstritten blieb. Sie sitzt allerdings immer noch für die SPD im Darmstädter Stadtparlament, als kulturpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsteherin.

Die drei ehemaligen SPD-Parlamentarier dagegen, die Ypsilanti erst kurz vor dem geplanten Wahlgang die Gefolgschaft verweigert hatten, sind ausgeschieden. Jürgen Walter, zeitweise SPD-Fraktionschef und Ypsilantis prominentester Gegenspieler, arbeitet als Anwalt. Er ist mit der ehemaligen CDU-Pressesprecherin Esther Petry verheiratet und hat mit ihr einen kleinen Sohn. Walters damalige Mitstreiterin Carmen Everts hat eine leitende Position in der Landeszentrale für politische Bildung übernommen. Ihre ehemalige SPD-Landtagskollegin Silke Tesch aus dem mittelhessischen Breidenbach hat vor kurzem ihr SPD-Parteibuch zurückgegeben. Doch ihr Versuch, als unabhängige Kandidatin Bürgermeisterin in ihrer Heimatgemeinde zu werden, scheiterte. Sie unterlag dem lokalen SPD-Bewerber für das Amt bei der Direktwahl deutlich mit 39 zu 61 Prozent der Stimmen.

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