• Rot-rotes Wahlduell in Potsdam: der PDS-Mann Bisky tritt gegen die SPD-Politikerin Thiel an

Politik : Rot-rotes Wahlduell in Potsdam: der PDS-Mann Bisky tritt gegen die SPD-Politikerin Thiel an

Thorsten Metzner

Seit einigen Tagen steht das Telefon von Angelika Thiel nicht mehr still. Um Bürgernähe zu demonstrieren, hatte die Potsdamer SPD-Landtagskandidatin in einem an 30 000 Haushalte verschickten Wahlbrief ihre Telefonnummer angegeben. "Jetzt kommen täglich 20 bis 30 Anrufe. Darunter viele wüste Beschimpfungen", erzählt die 42-jährige SPD-Politikerin geschockt. Die Stimmung ist schlecht im Potsdamer Wahlkreis 25 - einem der spannendsten in ganz Brandenburg, denn Thiels Gegenkandidat heißt Lothar Bisky.

Der PDS-Bundesvorsitzende ist sogar der Favorit. Selbst SPD-Strategen bestätigen es hinter vorgehaltener Hand: Es sieht alles danach aus, als ob Bisky quasi direkt vor Stolpes Haustür in den Landtag einziehen wird. Anders als die PDS-Landesvorsitzende Anita Tack, die im angrenzenden Wahlkreis ins Rennen geht. Doch Tack werden selbst in PDS-Kreisen kaum Chancen gegen den sich aus jedweder Parteipolitik heraushaltenden und damit schwer angreifbaren Landtagspräsidenten Herbert Knoblich eingeräumt.

Rot-rote Wahlduelle haben in Potsdam, wo vor einigen Jahren PDS-Stadtchef Rolf Kutzmutz fast Oberbürgermeister wurde, seit 1990 Tradition. "Es ist für Bisky inzwischen auch eine Frage der Ehre", sagt Thiel. 1994 hatte sich die frühere Gleichstellungsbeauftragte Potsdams nach einem frischen, offensiven Wahlkampf gegen Bisky durchgesetzt, wenngleich mit einem hauchdünnen Vorsprung von 129 Stimmen. Die PDS stellte im Stadtparlament damals noch die stärkste Fraktion. Seitdem hat sich vieles verändert in Potsdam. Aus den tristen DDR-Plattensiedlungen Schlaatz, Waldstadt, Stern, Drewitz, die die Struktur des Wahlkreises prägen, zogen viele meist gutverdienende Familien weg. Potsdam verlor in dieser Zeit rund 11 000 Einwohner. In die "Platte" folgten überwiegend Mieter auf Sozialhilfe-Niveau und Arbeitlose, so dass Sozialdezernent Jann Jacobs (SPD) offen vor "Verslumung" warnt. Kein Wunder, dass auch der Bundesvorsitzende der rechtsradikalen NPD, Udo Vogt, gerade hier ins Rennen geht.

Thiel hat es schwer in diesem Wahlkampf. Nicht nur, weil die eigenen Genossen sie nicht hundertprozentig unterstützen. In den letzten Wochen musste sich die SPD-Kandidatin an den Infoständen nur verteidigen: für Rot-Grün in Bonn, für Defizite der SPD-Landesregierung, vor allem aber für den unpopulären Sparkurs im Platzeck-Rathaus. Genau hier setzte PDS-Chef Bisky an. Der profilierte Kulturpolitiker ließ keine Gelegenheit aus, gegen das Theatersterben in Brandenburg und die Abwicklung der Brandenburgischen Philharmonie Potsdam zu polemisieren. Und trotzdem bleibt es unwägbar, ob Bisky wirklich den klaren Sieg einfährt: Unwägbar, weil die rechtsradikale NPD ihren Wahlkampf auf "bisherige PDS-Wähler" ausgerichtet hat - unter dem Motto: "Wir sind die echte Opposition." Ob das überzeugt, kann in den Potsdamer Parteizentralen niemand kalkulieren.

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