Politik : Rot wie das Blut der Opfer Vergeltungsschlag in Tikrit

Ex-General Rios Montt will in Guatemala Präsident werden – dagegen wehren sich die Oppositionsparteien Irak: US-Armee wirft 250-Kilo-Bomben auf vermutete Verstecke von Aufständischen / Rotes Kreuz schließt Büros

Martin Jordan[Guatemala-Stadt]

Von Martin Jordan,

Guatemala-Stadt

Kein Stein, kein Baum und keine Straßenlaterne ist in Guatemala vor den Wahlen sicher. Überall sind Parteisymbole gemalt und Kandidatenporträts für die heutige Präsidentschaftswahl geklebt. Entlang den Straßen stehen riesige Plakate, viele sind mit roter Farbe verschmiert. Das symbolisierte Blut gilt Ex-General Efrain Rios Montt, der 1982 nach einem Militärputsch an die Macht kam und 17 Monate später selbst gestürzt wurde. Der ehemalige Diktator tritt für die Regierungspartei FRG mit dem Slogan „Jetzt schafft es der General“ an. Rios Montt liegt in den Umfragen aber hoffnungslos zurück. Er dürfte den dritten Platz belegen und somit nicht für den zweiten Wahlgang in Frage kommen.

Diesen werden voraussichtlich Oscar Berger, früherer Bürgermeister von Guatemala-Stadt, sowie der Textilunternehmer Alvaro Colom bestreiten. Berger ist der Favorit der Oligarchie, also jener einflussreichen Familien, die in Guatemala seit Jahrzehnten das Sagen haben. Colom nennt sich Sozialdemokrat und verspricht, die von Armut besonders betroffenen Indianer zu unterstützen.

Egal, wer der neue Staatspräsident sein wird, es erwarten ihn gewaltige Probleme. Die Korruption hat in der Regierung gigantische Dimensionen angenommen. Trotzdem ist die Straflosigkeit weit verbreitet. Weil Richter massiv bedroht werden, tun sie sich mit Urteilen schwer. Die Kriminalität gehört in Guatemala zum Alltag – täglich werden zwölf Menschen umgebracht. Auch der Wahlkampf war von Gewaltakten geprägt, und es ist nicht auszuschließen, dass es am Wahltag zu Ausschreitungen kommt. Den neuen Präsidenten erwartet ein zersplittertes Parlament. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern wird er sich nicht auf eine Mehrheit seiner Partei stützen können, was ihm das Regieren sicherlich erschweren wird.

Bagdad/Genf (AFP/dpa). Nach dem Abschuss eines US-Kampfhubschraubers unweit von Tikrit ist das amerikanische Militär in der Nacht zum Samstag in der Stadt gegen aufständische Kräfte vorgegangen. Wie das US-Militärkommando in Bagdad mitteilte, habe man eine Operation begonnen, um „jeden zu verhaften oder zu töten“, der danach trachte, „den Koalitionsstreitkräften oder unschuldigen Irakern Schaden zuzufügen“. Dabei seien in und um Tikrit, der Heimatstadt Saddam Husseins, mindestens fünf Aufständische getötet worden. 16 Personen wurden festgenommen.

„Wir greifen solche Gebiete an, wo es Angriffe auf Koalitionskräfte gegeben hat“, sagte Oberstleutnant Steve Russell von der 4. US-Infanteriedivision in Tikrit. „Wir wollen diese Bedrohungen ausschalten.“ Mehrere 250-Kilo-Bomben wurden über der Stelle abgeworfen, wo am Freitag der US-Hubschrauber von Typ „Black Hawk“ abgestürzt war. Der arabische Fernsehsender Al Dschasira berichtete, mehrere leer stehende Gebäude und ein Lagerhaus in Tikrit seien bombardiert worden. Schwer bewaffnete amerikanische Soldaten patrouillierten durch die Straßen. Eine vor zwei Wochen aufgehobene nächtliche Ausgangssperre sei erneut verhängt worden.

Beim Absturz des US-Hubschraubers waren am Freitag sechs US-Soldaten gestorben. Die Absturzursache war am Samstag offiziell noch unklar. Angehörige der in Tikrit stationierten 4. US-Infanteriedivision gingen aber davon aus, dass der Helikopter von Aufständischen abgeschossen worden ist. Am vergangenen Sonntag waren beim Abschuss eines Hubschraubers in der Nähe der zentralirakischen Stadt Falludscha 16 US-Soldaten getötet und weitere 20 verletzt worden.

Zwei US-Soldaten wurden am Samstag laut Al Dschasira bei einem Angriff auf ihr Fahrzeug in Falludscha getötet. US-Truppen hätten danach mehrere Verdächtige in der Stadt festgenommen, hieß es.

Das US-Militär verkündete am Samstag weiter, in den vergangenen 24 Stunden seien im Rahmen der Operation 228 Patrouillen und vier Razzien durchgeführt worden. Unter den dabei Getöteten waren demnach auch drei Männer, die einen US-Posten mit Raketen angegriffen hatten. Ein weiterer Aufständischer sei bei der Stürmung eines Waffenlagers erschossen worden.

Wegen der angespannten Sicherheitslage im Land wird das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) vorübergehend seine beiden Büros in Bagdad und in Basra schließen. Das IKRK bleibe aber im Nordirak präsent, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger dem Zürcher „Tages-Anzeiger“. Die Helfer würden sich künftig auf Besuche von Gefangenen, die Herstellung von Kontakten zu den Familien sowie humanitäre Nothilfe in den Bereichen Wasser und Medizin beschränken.

Das IKRK wird nach den Worten von Kellenberger weiter auf militärischen Begleitschutz oder die militärische Bewachung seiner Gebäude verzichten, weil dies mit dem eigenen Verständnis von unabhängiger humanitärer Arbeit unvereinbar sei. IKRK-Sprecher Florian Westphal kündigte an, die Details der künftigen Arbeitsorganisation würden erst noch geklärt. Der Beschluss bedeute allerdings nicht automatisch, dass künftig alle Aktivitäten vom Nordirak aus erfolgten.

Der Rückzug aus Bagdad ist eine Reaktion auf den Selbstmordanschlag vom 27. Oktober auf die Zentrale des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in der irakischen Hauptstadt, bei dem zwei irakische Wachleute getötet worden waren. Für die Organisation arbeiteten bis zum Anschlag rund 30 ausländische Mitarbeiter sowie mehr als 600 Iraker. Größere Büros befanden sich in Bagdad, Basra und im nordirakischen Erbil.

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