Politik : Rotbart für Grünhelme

Gerd Appenzeller

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Von den Fenstern seines Büros aus blickt er auf die große Freifläche westlich des Reichstags. Das ist jener Platz, auf dem Ernst Reuter vor mehr als einem halben Jahrhundert die Völker der Welt mit einem flammenden Appell aufrüttelte, das von Unfreiheit bedrohte Berlin nicht allein zu lassen. Wolfgang Thierse, dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, muss diese Nähe von Zeit, Geschichte und Raum besonders ans Herz gehen. Für ihn, den DDR-Bürger, erfüllte sich mit dem Fall der Mauer ja die Sehnsucht Reuters. Heute wird Thierse 60 Jahre alt, Bundestag und Sozialdemokratische Partei ehren ihn mit Empfängen. Der Mann, den Ernst Elitz einmal so treffend als „Genosse Rotbart“ apostrophierte, hat die Gefühle der Dankbarkeit nie verschwiegen, die ihn angesichts der deutschen Wiedervereinigung bewegen. Auch das zeichnet ihn ja aus, dass sich in ihm ein scharfer Verstand und ziemlich unverstellte Emotionalität treffen. Für das Erstere stehen seine frühen Reden im Parlament, für das Zweite seine Bitte, was man ihm zum Geburtstag schenken solle: Unterstützung für die „Grünhelme“, eine Initiative junger Muslime und Christen zum Wiederaufbau zerstörter Regionen, ob in Bosnien oder Afghanistan. Die „Grünhelme“ bekommen auch das Geld, das eine CD mit dem Weihnachtsmärchen von Charles Dickens einspielt – gesprochen von Wolfgang Thierse. Also, falls Sie noch ein Geschenk suchen ...

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