Rote Armee Fraktion : Wer ist Stefan Wisniewski?

Acht Jahre nach seiner Entlassung ist der Ex-RAF-Terrorist Stefan Wisniewski wieder ins Visier der Bundesanwälte geraten. Generalbundesanwältin Monika Harms hat Ermittlungen gegen Wisniewski aufgenommen.

Düsseldorf - Das Verfahren gegen Wisniewski sei am vergangenen Montag auf Grund eines Artikels im "Spiegel" eingeleitet worden. Wisniewski war nach dem Mord an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer im Herbst 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seit 1999 ist er wieder auf freiem Fuß.

In der Öffentlichkeit stand Wisniewski bislang eher im Schatten von ehemaligen Top-Terroristen wie Brigitte Mohnhaupt oder Christian Klar. Bekannt war lediglich, dass Wisniewski bei der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer im "Deutschen Herbst" 1977 eine Schlüsselrolle gespielt hatte. Mit dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback vom April 1977 wurde er bisher nicht in Verbindung gebracht.

Im Gegensatz zu anderen Ex-Mitgliedern des harten RAF-Kerns entstammt Wisniewski nicht dem linken Studentenmilieu. Er wurde in einem kleinen Schwarzwalddorf als Sohn eines polnischen Zwangsarbeiters geboren. Als Kind wurde Wisniewski in ein Heim für schwer erziehbare Jungen gesteckt, wie er 1997 in einem Interview mit der "tageszeitung" noch während seiner Haftzeit berichtete.

Innerhalb eines Jahres brach er siebenmal aus dem Heim aus und wurde nach eigener Darstellung "teilweise nach abenteuerlichen Jagden von der Polizei wieder eingefangen". Noch als Jugendlicher ging Wisniewski nach Hamburg und fuhr zur See. "Das war gar nicht romantisch, ich hab' dabei das Elend der Dritten Welt kennengelernt", sagte er seinerzeit.

Beerdigung von Holger Meins entscheidendes Erlebnis

Wisniewski blieb zunächst in Hamburg, jobbte und besuchte eine Abendschule. Die antiautoritäre Bewegung sei damals für ihn "entscheidend" gewesen, betonte er später. "Die neuen Lebensformen, Wohngemeinschaften, Stones-Musik, lange Haare, das hatte auf mich eine enorme Anziehung." Wisniewski ging nach Berlin. Als einschneidendes Erlebnis bezeichnete er in dem Interview den Tod des inhaftierten RAF-Mitglieds Holger Meins, der 1974 an den Folgen eines Hungerstreiks starb. "Die Beerdigung von Holger Meins mitzuorganisieren war meine letzte legale politische Tätigkeit. Das war für mich das Überschreiten einer Schwelle."

Als Mitglied der so genannten zweiten RAF-Generation zählte Wisniewski zu der vierköpfigen Gruppe, die Schleyer am 5. September 1977 in Köln entführte und dabei Schleyers Fahrer und drei Begleitpolizisten erschoss. Der genaue Hergang des Mordes an Schleyer sechs Wochen später gilt bis heute als ungeklärt. Wisniewski wurde im Mai 1978 in Paris verhaftet und erhielt im Dezember 1981 vom Düsseldorfer Oberlandesgericht zweimal lebenslänglich - unter anderem wegen zweifachen Mordes, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der versuchten Nötigung eines Verfassungsorgans. 1999 kam er auf Bewährung frei - die Düsseldorfer Richter befanden, Wisniewski habe sich in der Haft "glaubhaft davon distanziert, politische Ziele mit gewalttätigen Mitteln durchzusetzen". (Von Richard Heister, AFP)

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