Politik : Rote Karte für Berlusconi

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Rom Der Papsttod hat die italienischen Regionalwahlen in den Schatten gestellt. Doch das Ergebnis kommt einem politischen Erdbeben gleich. Die von dem Medienunternehmer und Parteigründer Silvio Berlusconi geschaffene politische Landschaft „liegt in Trümmern“, meint die Zeitung „La Repubblica“. Und der „Corriere della Sera“ pflichtet bei: „Es ist keine Niederlage, es ist ein Debakel.“

Von 13 Regionen, in denen gewählt wurde, blieben dem rechten Lager des Ministerpräsidenten nur noch zwei, und selbst in der Lombardei und Venetien wurden Stimmen verloren. Die Koalition von Forza Italia, Alleanza Nazionale, Lega Nord und Christdemokratischer Union verlor auch die Mehrheit unter den 42 Millionen Wahlberechtigten. Über die Hälfte stimmte für den Mitte-links-Block.

Der Erdrutsch erfasste ganz Italien, vor allem aber den Süden. Auch das symbolträchtige Latium mit der Hauptstadt Rom fiel an die Opposition. Für deren Chef, den früheren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi bedeutet dies einen persönlichen Triumph. „Wir sind zum Regieren bereit“, kommentierte er. Zurückhaltender blieb Berlusconi. Dem sonst eher redegewandten Premier verschlug es vorübergehend die Sprache.

An seiner Stelle antwortete sein Vize, der Führer der postfaschistischen Alleanza, Gianfranco Fini, dem Ambitionen auf das Berlusconi-Erbe nachgesagt werden. „Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Die Regierung ist geschwächt,“ sagte er. An Rücktritt sei aber nicht zu denken. Vor fünf Jahren hatte der damalige Regierungschef, der ehemalige Kommunist Massimo D’Alema, schon nach einer weniger schweren Schlappe bei Regionalwahlen das Handtuch geworfen.

Im Regierungslager brach schnell ein Streit über die Verantwortung für die Niederlage aus. Fini warf Berlusconi und der Lega Nord vor, sich zu sehr auf Norditalien zu konzentrieren und den Süden zu vernachlässigen. Aus dem Berlusconi-Lager hieß es, Fini hätte nicht die rechtsextreme Duce-Enkelin Alessandra Mussolini vergraulen dürfen, die sich mit einer eigenen Partei abspaltete und dem Rechtsblock Stimmen wegnahm.

Letztlich scheint aber Unzufriedenheit der Wähler mit der Regierungsarbeit für die Stimmverluste verantwortlich. Vor allem werden den Rechten die drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten angelastet. Für die nächsten zwölf Monate bis zu den Parlamentswahlen steht nun eines zu erwarten: permanenter Wahlkampf. dpa

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