Rote Moschee : Islamisten-Anführer getötet

Bei der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad ist auch der Anführer der Islamisten, Ghazi, getötet worden. Nach Angaben der Armee starben bei dem Angriff 60 Menschen.

Ghazi
Getötet: Islamisten-Führer Abdul Rashid Ghazi. -Foto: AFP

IslamabadBei der blutigen Erstürmung der seit einer Woche besetzten Roten Moschee in Islamabad ist der Islamisten-Anführer Abdul Rashid Ghazi erschossen worden. Ghazi kam im Kreuzfeuer zwischen Sicherheitskräften und eigenen Anhängern ums Leben, wie ein Sprecher des pakistanischen Innenministeriums sagte. Insgesamt wurden bei den Kämpfen nach Armeeangaben mindestens 60 Menschen getötet. Nach stundelangen ergebnislosen Verhandlungen mit den dort verschanzten Rebellen hatten die Sicherheitskräfte früh morgens mit der Erstürmung begonnen. Stundenlang erschütterten starke Explosionen und anhaltende Feuergefechte die Moschee.

Ghazi sei im Untergeschoss der Moschee gesichtet und aufgefordert worden, sich zu stellen, sagte der Ministeriumssprecher. "Er kam heraus mit vier oder fünf Militanten, die auf die Sicherheitskräfte feuerten." Diese hätten das Feuer erwidert. Ghazi und seine Begleiter seien im Kreuzfeuer umgekommen. Die Leiche sei noch nicht geborgen. Noch sei der Moschee-Komplex nicht gesichert, sagte der Sprecher. Nach eigenen Angaben "befreiten" die pakistanischen Sicherheitskräfte bis zum Mittag drei Viertel des Moscheegeländes.

Koranschule in Flammen

Gegen fünf Uhr morgens hatten die Sicherheitskräfte mit dem Sturm des Moscheegeländes begonnen. Dicke Rauchschwaden stiegen am Vormittag über dem Komplex auf, während dutzende Krankenwagen Verletzte ins Krankenhaus transportieren. Nach Augenzeugenberichten brannte auch eine Koranschule für Mädchen auf dem Gelände.

Die Erstürmung sei der entscheidende Vorstoß, um die "bewaffneten Radikalen" vom Moscheegelände zu vertreiben, sagte Armeesprecher Waheed Arshad. Am Mittag hätten mehrere Islamisten von den Minaretten der Moschee auf die Soldaten gefeuert. "Drei oder vier Terroristen haben die Minarette besetzt. Sie haben die Heiligkeit der Moschee verletzt", sagte Arshad.

Mutter Ghazis offenbar am Qualm erstickt

Im Innern spielten sich offenbar dramatische Szenen ab: "Überall sind Leichen", berichtete ein Mann der Nachrichtenagentur AFP telefonisch. Er sprach vom Telefon Ghazis und berichtete von "wahllosem Töten". Eine der Toten sei die Mutter Ghazis; sie sei am Qualm der Explosionen erstickt. Während einer kurzen Feuerpause ergaben sich nach Armeeangaben rund 50 Kämpfer und verließen die Moschee. Rund 60 Frauen und Kinder, darunter auch die Frau und die Tochter Ghazis, sei die Flucht aus dem umkämpften Gebäudekomplex gelungen.

Unklar war, wie viele Kämpfer und Zivilisten sich noch in der Moschee aufhielten. Die pakistanische Regierung sprach von rund hundert Islamisten und 300 bis 400 Frauen und Kindern, die von den Besatzern als Geiseln im Keller festgehalten und als menschliche Schutzschilde missbraucht würden.

Elfstündige Verhandlungen ohne Ergebnis

Kurz vor dem Sturm auf die Moschee waren mehrtägige Verhandlungen mit den Besatzern gescheitert. Regierungsvertreter sagten, der Imam habe sich geweigert, mutmaßliche Geiseln frei zu lassen und freies Geleit für "Ausländer" gefordert. Regierungsangaben zufolge waren unter den Besetzern auch im Ausland gesuchte Extremisten. Der Chefunterhändler der Regierung, Ex-Ministerpräsident Chaudhry Shujaat Hussain sprach von elfstündigen ergebnislosen Verhandlungen.

Die Moschee war seit einer Woche von Sicherheitskräften umstellt, die den Belagerungsring immer enger gezogen hatten. Seit Beginn der Belagerung waren bereits 1200 Frauen, Männer und Kinder aus dem Gebäude geflohen. In den Tagen vor der Erstürmung wurden bei Kämpfen mindestens 24 Menschen getötet. (mit dpa/AFP)

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