Politik : Roter Stahl

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wir haben jetzt viel über Koalitionen gelernt. Heute beschäftigen wir uns mal mit Korrelationen. Eine Korrelation ist, grob gesagt: Wenn das eine passiert, passiert das andere auch. Wenn es regnet, wird die Straße nass. Statistiker werden von Korrelationen leicht aufs Glatteis geführt. Es gab eine berühmte Erhebung unter Grundschülern über Körpergröße und Kenntnisstand. Und siehe: Größe und Wissen korrelierten. Die Fachwelt rieb sich die Augen. Bis jemandem auffiel, dass die Viertklässler eben größer sind als die Erstklässler – und natürlich auch besser lesen und schreiben können. So viel also zur Vorgeschichte. Nun hat der ebenso illustre wie ominöse SPD-Abgeordnete Jakob Mierscheid, dessen verschwiegenem Handeln wir hier schon häufig Tribut gezollt haben, erneut ein Schreiben an uns gerichtet. Es entwirft eine These über eine Korrelation: SPD-Wahlergebnisse und Stahlproduktion. „Warum wir gewonnen haben“, betitelt Mierscheid seinen Brief. Und dann zitiert er sein eigenes, „legendäres“ Gesetz: „Der Stimmenanteil der SPD bei Bundestagswahlen richtet sich nach dem Index der deutschen Rohstahlproduktion in den alten Ländern“ in Millionen Tonnen im Wahljahr. Jetzt freut sich Mierscheid, dass sein Gesetz auch gesamtdeutsch gilt. „Ihr solltet weiter auf mich hören“, jubelt er. Denn die SPD bekam bekanntlich 38,5 Prozent. Und die diesjährige deutsche Stahlproduktion, hochgerechnet aufgrund der Daten der ersten 9 Monate, liegt bei 38,6 Millionen Tonnen. 1998 lauteten die beiden Kennziffern 41,0 und 40,9. Irgendwie scheinen beim Stahl die Überhangmandate auch schon hineingerechnet zu sein. Besser geht’s nicht. Eine Hyper-Korrelation.

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