Politik : Rotes Kreuz erhält Zugang zu Kriegsgefangenen

Erstmals Lager der Amerikaner mit 3000 irakischen Soldaten überprüft / Noch keine Genehmigung für den Besuch alliierter Häftlinge

Jan Dirk Herbermann

Genf . Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat im Irak erstmals Kriegsgefangene besucht. Ein Team aus 15 IKRK- Mitarbeitern und sechs Übersetzern überprüfte am Dienstag die Haftbedingungen in einem Gefangenenlager im Süden des Landes. „Wir wollen, dass die Gefangenen human behandelt werden“, sagte der IKRK-Generalbevollmächtigte für den Mittleren Osten, Balthasar Staehlin, in Genf. „Dazu gehört die ausreichende Versorgung und medizinische Betreuung der Menschen.“ Im Lager werden 3000 Insassen festgehalten. Das IKRK begann, die Gefangenen zu registrieren. Als weiteres Ziel streben die Helfer an, die Verbindung der Iraker mit ihren Angehörigen herzustellen.

Bisher konnte das Rote Kreuz noch keine amerikanischen oder britischen Kriegsgefangenen besuchen. Staehlin versicherte aber, dass seine Organisation „mit der irakischen Regierung in Kontakt“ stünde. Aus den beiden vergangenen Golfkriegen hat das Rote Kreuz gute Verbindungen nach Bagdad. US-Generalstabschef Myers hatte vor kurzem beklagt, dass Bagdad den Vertretern des Roten Kreuzes den Zugang zu amerikanischen Kriegsgefangenen verweigert habe.

Über die Zahl der gefallenen oder verwundeten Soldaten und die Zahl der umgekommenen und verletzten Zivilisten kann das IKRK bisher keine Angaben machen. Gleich zu Beginn des Krieges hatte der IKRK-Präsident Jakob Kellenberger die Konfliktparteien aufgefordert, unter allen Umständen die Genfer Konvention zu achten. In dem Abkommen verpflichten sich 190 Länder – darunter auch der Irak, die Vereinigten Staaten und Großbritannien – Kriegsgefangene zu jeder Zeit human zu behandeln und die Zivilbevölkerung in einem bewaffneten Konflikt besonders zu schützen.

Die Genfer Konvention über den Schutz von Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung lässt auch zu, dass eine Guerilla-Taktik angewandt wird und Kämpfer sich nicht durch Uniformen als Mitglieder einer Armee zu erkennen geben müssen. Darauf wies am Dienstag die Sprecherin des Roten Kreuzes, Antonella Notari, in Genf hin. „Dies gilt aber alles nur, wenn die Zivilbevölkerung ausgespart wird und die Kämpfer die Waffen offen tragen“, sagte Notari. Sie spielte damit auf Selbstmordangriffe im Irak-Krieg an, die bereits mehrere Opfer unter den Alliierten gefordert haben.

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