Politik : Rotes Kreuz wusste seit Oktober von Misshandlungen

Mitarbeiter der Hilfsorganisation forderten von USA Änderungen in Gefangenenlagern / Kritik am späten Genfer Protest

Jan Dirk Herbermann

Genf. Das Rote Kreuz fordert seit mehr als einem halben Jahr von den USA, Misshandlungen von Gefangenen im Irak zu beenden. „Nach unseren Inspektionen in den Gefangenenlagern haben wir von den Amerikanern Änderungen verlangt“, sagte der Londoner Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Roland Huguenin, dem Tagesspiegel. „Man kann davon ausgehen, dass es in den Camps und Gefängnissen schlimm zugeht“, sagte er. Nach einem längeren Besuch im Gefängnis Abu Ghraib im Oktober sei ein umfassender Bericht an US- Behörden gegangen.

Zwar hat das IKRK über Missstände und Folterungen ordnungsgemäß bei den USA vorgesprochen. Doch fragen Diplomaten, ob die Institution nicht früher hätte öffentlich protestieren müssen. „Da spielt natürlich auch das Geld eine Rolle“, sagt ein Genfer Unterhändler, der anonym bleiben will. „Das Rote Kreuz will es sich nicht mit seinen Sponsoren verscherzen.“ Im letzten öffentlich dokumentierten Budgetjahr, 2002, war Washington der wichtigste Geldgeber des IKRK. Wenige Wochen vor Beginn der Irak-Invasion erhielten die Genfer Helfer 20 Millionen Dollar aus Washington. Ihre Diskretion erklären die IKRK-Offiziellen mit ihrer politischen Neutralität. Danach, so heißt es, dürfen Proteste gegen Misshandlungen nie öffentlich gemacht werden.

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