Politik : Royal ruft die „Elefanten“ bei den Sozialisten zu Hilfe

Hans-Hagen Bremer

Paris - Frankreichs sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal hat ihren Wahlkampf neu organisiert. Die gesamte Parteiführung der Sozialisten wird ihr jetzt zur Seite stehen – einschließlich ihrer bisherigen Gegner. Zum Familienfoto hat die Zeit allerdings noch nicht gereicht. Der frühere Finanzminister Dominique Strauss-Kahn ist zurzeit in Kanada. Und der ehemalige Premierminister Laurent Fabius kehrte erst am Freitag von einer Reise nach Darfur zurück.

Dennoch ist Royal ein Überraschungscoup gelungen, der ihrem Wahlkampf Auftrieb geben kann. Neben den beiden Rivalen, die ihr im parteiinternen Wettbewerb unterlagen, konnte sie auch den ehemaligen Premierminister Lionel Jospin, den entschiedensten Kritiker ihrer Kandidatur, in ihr Wahlkampfteam holen. Insgesamt 13 „Elefanten“, wie die Schwergewichte der Parteiführung genannt werden, wollen nun Wahlkampf für sie machen, unter ihnen der frühere Premierminister Pierre Mauroy, der populäre ehemalige Gesundheitsminister Bernard Kouchner sowie die Bürgermeister von Paris, Lille und Lyon. Dem „Team des Präsidentschaftspakts“, wie die neue Mannschaft heißt, gehört auch ihr Lebensgefährte, der Parteivorsitzende François Hollande, an. Das Team soll die Kräfte der Partei koordinieren und Royals Wahlprogramm im ganzen Land populär machen.

„In dieser entscheidenden Phase des Wahlkampfs sind wir alle vereint“, sagte Royal, als sie am späten Donnerstagabend ihre neue Mannschaft vorstellte. Keiner ihrer Mitarbeiter hatte bis dahin damit gerechnet, dass es ihr gelingen würde, auch Jospin einzubinden. Der ehemalige Premierminister, der sich nach seiner Wahlniederlage 2002 ganz aus dem politischen Leben zurückgezogen hatte, machte aus seiner Ablehnung Royals nie einen Hehl. Nach einem Telefongespräch, das nach Royals Worten „sehr herzlich, freundschaftlich und engagiert“ verlief, erklärte er sich zur Mitarbeit bereit. Sie sei „sehr glücklich“ darüber, sagte sie.

Mit der Neuordnung ihrer Mannschaft zog Royal die Konsequenzen aus dem Umfragetief der vergangenen Wochen. Seit ihrem Auftritt in einer Fragesendung im Fernsehsender TF1 am Montagabend kann sie zwar wieder Sympathiegewinne verzeichnen. Danach würde sie in der ersten Wahlrunde besser als der Kandidat der konservativen Regierungspartei UMP, Nicholas Sarkozy, abschneiden, in der Stichwahl aber unterliegen. Mit dem Rücktritt des Wirtschaftsexperten der Partei, Luc Besson, der den „mangelnden Professionalismus“ in ihrem Team kritisierte, sah sich Royal jetzt gezwungen, ihren autonomen Stil aufzugeben und sich mehr auf die Partei zu stützen. „Die Phase der Selbstverwaltung ist beendet“, sagte sie.

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