Politik : Royal ruft zur Revolte auf

Hans-Hagen Bremer[Paris]

Zwei Tage vor der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich hat sich der Abstand zwischen Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal weiter vergrößert. Nach den von den drei Umfrageinstituten CSA, Ipsos und TNS-Sofres am Freitag veröffentlichten Erhebungen kann der Kandidat der konservativen Regierungspartei UMP am Sonntag mit 53 bis 54,5 Prozent der beabsichtigten Stimmabgaben rechnen. Der Vorsprung gegenüber der sozialistischen Konkurrentin, den Sarkozy bis auf eine Ausnahme in allen Befragungen seit Januar hielt, ist damit gegenüber den vor einer Woche veröffentlichten Umfragen dieser Institute um 0,5 bis 2,5 Prozentpunkte gewachsen.

„Nach unseren Erhebungen haben sich 90 Prozent der Wähler entschieden, wie sie am Sonntag stimmen werden“, sagte Brice Teinturier, der stellvertretende Direktor des Meinungsforschungsinstitutes TNS-Sofres in Paris. Das Verhalten der noch unentschlossenen Wähler würde damit am voraussichtlichen Ergebnis nichts mehr ändern.

Als entscheidenden Grund für die Verstärkung dieses für Sarkozy günstigen Trends führte Teinturier einen Stimmungswandel der Wähler des Zentrums-Kandidaten François Bayrou an, der in der ersten Runde mit 18,3 Prozent als Drittplatzierter ausgeschieden war. Von dessen 6,8 Millionen Wählern, um die sich sowohl Royal als auch Sarkozy bemühten, hängt im Wesentlichen der Ausgang der Präsidentenwahl ab. „Erhebungen unmittelbar nach der ersten Runde zeigten bei diesen Wählern einen klaren Vorsprung Royals gegenüber Sarkozy“, berichtete Teinturier. Dieser Vorsprung habe sich aber in den vergangenen Tagen zum Vorteil des UMP-Kandidaten Sarkozy umgekehrt. 40 Prozent der Bayrou-Wähler wollen nach Angaben seines Instituts am Sonntag für Sarkozy stimmen, 35 für Royal, 25 wollen sich der Stimme enthalten. Das Ergebnis deckt sich mit den Erhebungen der anderen Institute. „Die Dynamik der beabsichtigten Stimmenübertrag von Bayrou auf Royal ist in sich zusammengefallen“, erklärte Teinturier.

An dem Trend hat auch die TV-Debatte vom Mittwochabend zwischen Sarkozy und Royal nichts geändert. „Das war auch nicht zu erwarten gewesen“, sagte Teinturier. „Das Duell endete nicht unentschieden, sondern mit einem klaren Vorteil für Sarkozy“, erklärte der Meinungsforscher. 55 Prozent der Zuschauer fanden nach einer TNS-Sofres-Umfrage vom Donnerstag Sarkozy überzeugend, nur 32 Prozent Royal. Bei der Frage nach der Sachkenntnis schnitt Sarkozy ebenfalls mit 55 Prozent gegenüber 22 Prozent für Royal besser ab.

Royal versuchte unterdessen, sich gegen die von den Instituten prognostizierte Niederlage zu stemmen. In einem Rundfunkinterview forderte sie die Wähler am Freitag zur „Revolte“ gegen die Umfragen auf. In einer Kundgebung am Vorabend in Lille hatte sie ihren Zuhörern zugerufen: „Wagen Sie es, wagen Sie es!“ Zur gleichen Zeit gab sich Sarkozy schon siegesgewiss. „Während dieser ganzen Kampagne hat mich Frankreich nicht verlassen“, sagte er in einer Versammlung in Montpellier.

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