Ruanda : Völkermord-Drahtzieher zu lebenslanger Haft verurteilt

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda hat den Drahtzieher des Völkermords im Jahr 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis zu 800.000 Menschen wurden damals systematisch umgebracht.

ArushaDas UN-Tribunal zur Aufarbeitung des Völkermordes in Ruanda hat einen der mutmaßlichen Drahtzieher der Gräueltaten zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Das im tansanischen Arusha sitzende Gericht befand Oberst Théoneste Bagosora am Donnerstag für schuldig, hinter dem Völkermord in dem ostafrikanischen Land zu stehen. Das Tribunal sprach den ehemaligen Direktor im ruandischen Verteidigungsministerium schuldig, maßgeblich den Völkermord in Ruanda organisiert zu haben. Zwei Mitangeklagte Bagosoras wurden ebenfalls für schuldig befunden, ein dritter freigesprochen.

Das Tribunal folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Nach UN-Angaben brachten Angehörige der Bevölkerungsgruppe der Hutu von April bis Juli 1994 systematisch bis zu 800.000 Menschen um. Die meisten von ihnen waren Angehörige der Tutsi-Minderheit sowie gemäßigte Hutu. Bagosoras musste sich seit 2002 wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords vor dem UN-Tribunal verantworten. Bagosora plädierte auf unschuldig und lehnte vor Gericht stets die Bezeichnung Völkermord für die Geschehnisse von 1994 ab.

Auslöser des Völkermordes war ein angeblicher Mordanschlag auf den damaligen Präsident Juvenal Habyarimana, dessen Flugzeug am 6. April 1994 beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen worden war. Das UN-Tribunal wurde 1996 eingerichtet. Bisher hatte das Gericht 29 Angeklagte verurteilt, fünf freigesprochen. (mhz/dpa/AFP)

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