Politik : Rückkehr in ausgewählte Orte

BLACE/PRISTINA (AFP). Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat am Montag mit der organisierten Rückführung von Flüchtlingen ins Kosovo begonnen. 332 kosovo-albanische Flüchtlingen wurden mit zehn Bussen von Mazedonien in die Kosovo-Hauptstadt Pristina gebracht. In sieben der Busse saßen Flüchtlinge aus dem Lager Brazda, in den übrigen Kosovo-Albaner, die im Lager Stenkovec Zuflucht gefunden hatten. Beide Lager befinden sich zwischen der mazedonischen Hauptstadt Skopje und der Grenze. In Pristina sollten die Menschen mit Kleidung und Lebensmitteln versorgt werden. Jenen Familien, deren Häuser und Wohnungen zerstört seien, hat das Hilfswerk Gastfamilien oder andere Unterbringungsmöglichkeiten organisiert.

Laut UNHCR kehrten bis Montag 415 000 Kosovo-Albaner auf eigene Faust in die Provinz zurück. Viele Menschen hätten aber kein Geld, ihre Rückkehr selbst zu organisieren. Außerdem würden die Flüchtlinge vom UNHCR nur in die als relativ sicher geltenden Städte Pristina, Prizren und Urosevac gebracht.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk plant, daß am Dienstag weitere zehn Busse mit kosovo-albanischen Flüchtlingen von Mazedonien ins Kosovo fahren - fünf nach Pristina und fünf nach Urosevac. Die UN hoffen, daß sie noch in dieser Woche das Flüchtlingslager Brazda schließen können, wo sich am Montag noch rund 3000 Menschen aufhielten. Anschließend sollten nach und nach alle anderen Flüchtlingslager in Mazedonien aufgelöst werden, wo noch 32 000 Flüchtlinge gezählt wurden gegenüber etwa 120 000 vor wenigen Wochen. 342 400 Menschen kampieren nach UNHCR-Schätzungen noch in Zeltlagern in den Nachbarländern Jugoslawiens, mehr als 200 000 davon in Albanien.

Kosovo-Albaner in den Bussen des UNHCR weinten, als sie am mazedonischen Grenzort Blace vorbei in den Kosovo zurückfuhren. Eine Mutter zeigte auf den Grenzabschnitt, wo zwischenzeitlich 60 000 Menschen tagelang unter freiem Himmel hatten übernachten müssen. "Dort haben wir auf Steinen geschlafen, während der Regen auf uns herabschüttete", sagt sie. Er sei sehr froh, wieder im Kosovo zu sein, sagte ein 27jähriger Vater nach der Ankunft in Pristina. Sie hätten bisher keine Möglichkeit zur Rückkehr gehabt. Auf dem Arm trug er seine Tochter. Mitarbeiter des UNHCR und Freiwillige verteilten Wasserflaschen und Lebensmittel an die Zurückkehrenden.

Rund eine Million Menschen waren während der massiven Vertreibungen durch serbische Militäreinheiten aus dem Kosovo geflohen. Am 10. Juni hatte die Nato die Luftangriffe auf Jugoslawien beendet.

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