Rückkehr in die Politik : Althaus will nach Ostern durchstarten

Dieter Althaus verlässt Reha-Klinik und will seine Arbeit bald wieder aufnehmen.

Eike Kellermann
Althaus
18.03.2009 - Althaus zurück in Thüringen: Zweieinhalb Monate nach seinem Skiunfall in Österreich ist Thüringens Ministerpräsident...Foto: dpa

HeiligenstadtPunkt 14 Uhr biegt die Limousine im Kirschweg auf das Grundstück mit dem Einfamilienhaus aus rotem Backstein. Aus dem Fonds steigt der Hausherr. Fast ein Vierteljahr hat er hier nicht mehr gewohnt. Vieles sei liegen geblieben, sagt er. Was genau er meint, bleibt offen. Vielleicht der tropfende Wasserhahn im Bad, vielleicht sein Wahlkreis im Eichsfeld oder die Regierung des Landes. Er freue sich „hier zu sein, einfach hier zu sein“. Dann geht durch die Kellertür unter dem auffälligen weißen Balkon in sein Haus.

So kommt Dieter Althaus, CDU-Ministerpräsident von Thüringen, zurück nach Heiligenstadt. Er trägt eine schwarze Jacke mit Fleecefutter, als kehre er von einer Expedition heim. Wohl 30 oder 40 Journalisten schieben sich im Pulk auf das Grundstück, kaum ist er der schwarzen Limousine entstiegen. Althaus hebt die flache Hand, als wolle er die Meute bannen, murmelt etwas von Privatsphäre und drängt sie zurück bis an den grünen Eisenzaun. Dann spricht er. Es sind seine ersten ungefilterten Worte nach dem Skiunfall vom Neujahrstag. Nach Schädel-Hirn-Trauma, Reha und Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung. Althaus ist zumindest in einer Hinsicht schon wieder der Alte: Er benutzt wie so oft diese formelhafte Sprache, die ihm als gelerntem Lehrer für Mathematik und Physik zu liegen scheint.

Wie er den Unfall psychisch verkrafte, fragen ihn die Journalisten. Seine Antwort: „Natürlich wird mich diese Tatsache an sich auch in Zukunft beschäftigten.“ Zahlen und Körper sind lebendiger als solche Sätze. Und als die Rede auf Opel, den Ärger um Merkel oder sein Exklusiv-Interview für eine Boulevard-Zeitung kommt, da macht er auch gleich wieder ein griesgrämiges Gesicht. Manche kommen erholter nach zweieinhalb Monaten Sanatorium zurück. Nicht so blass und schmal. So gezeichnet von den Anstrengungen.

Zwei Häuser weiter steht der Taxiunternehmer Rüdiger Frankenberg und beobachtet den absurden Auflauf. Er kennt Althaus persönlich und sagt, dass er privat anders sei. Statt des Medienbildes vom dynamischen Ministerpräsidenten, dem jedes Stehenbleiben bisher ein Graus war, hat er das Bild des Nachbarn, der mit den anderen elf Familien im Kirschweg Straßenfeste feiert. Man steht sich halt nahe. Und der Unfall, die tote Frau, die Verurteilung? „Nach außen ist er hart, aber nach innen, da geht ihm das an die Nieren“, sagt Frankenberg.

Noch macht die CDU-Geschäftsstelle keine Termine. Aber nun ist Althaus wieder da und muss sich um das kümmern, was liegen geblieben ist. Vorerst allenfalls als Teilzeit-Politiker. In Heiligenstadt wird seine Rehabilitation ambulant voraussichtlich bis Ende April, Anfang Mai fortgesetzt. „Dann geht es los mit den Wahlkämpfen, es gibt also viel zu tun“, sagt der heimgekehrte Patient. Doch zunächst, so verabschiedet er sich von den Journalisten vor seinem Haus, „muss ich erstmal auspacken“.

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