Politik : Rückkehr nach Bagdad

Martin Gehlen

Kairo - Jahrelang war Bagdad ein weißer Fleck auf der arabischen diplomatischen Landkarte. Iraks Nachbarn hatten ihre Botschaften geschlossen, das Personal abgezogen. Doch die Tage, in denen die Regierungen einen weiten Bogen um Iraks Hauptstadt machten, sind gezählt. Reihenweise öffnen Botschaften ihre Pforten, die neuen Missionschefs von Syrien, Jordanien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten übergaben ihre Beglaubigungsschreiben. Syrien ist zum ersten Mal seit 26 Jahren wieder mit einem Botschafter vor Ort. Libanon und Saudi- Arabien wollen demnächst folgen. Ägypten sucht noch ein sicheres Grundstück, der Schock über die Entführung und Ermordung seines Geschäftsträgers 2005 durch Al Qaida wirkt bis heute nach.

Arabische Besucher geben sich in Bagdad inzwischen die Klinke in die Hand. Anfang des Monats kam Ägyptens Außenminister, nun folgte ihm sein Kollege aus Bahrain. Angesagt hat sich Kuwaits Premier. Den Reigen der Staatsgäste eröffnet hatte im August Jordaniens König Abdullah II., was die Iraker mit einem neuen Ölliefervertrag zu Sonderkonditionen belohnten. Amman unterhielt schon zu Saddam Husseins Zeiten besondere Beziehungen zu Bagdad, inzwischen leben im Königreich 750 000 irakische Flüchtlinge. Danach kam Libanons Premier Fuad Siniora, gefolgt von Abu Dhabis Kronprinz Scheich Mohammed al Nahajan. Siniora machte kein Hehl aus seinen Motiven: „Ich habe nach dem Gespräch mit Premier Maliki das Gefühl, dass eine Bereitschaft besteht, Libanon eine besondere Behandlung bei den Ölpreisen zu geben“.

Jahrelang hatten die USA in den arabischen Hauptstädten vergeblich dafür geworben, die Beziehungen zu Bagdad zu normalisieren. Jetzt, nachdem die letzten Tage von George W. Bush im Weißen Haus angebrochen sind, beginnt sich das Verhältnis der Region zur schiitischen Führung in Bagdad zu erwärmen. Die Sicherheitslage hat sich deutlich verbessert, geschickt lockt der Irak mit Ölverträgen unter Weltmarktpreisen und mit lukrativen Aufträgen beim Wiederaufbau – in Zeiten stotternder Weltwirtschaft nicht nur für Ägypten und den Libanon ein Anreiz. Getrieben sind die sunnitischen Staatslenker auch vom wachsenden Gewicht des Iran in der Region. „Arabische Regierungen haben verstanden, dass eine aufgeregte Rhetorik allein den iranischen Einfluss nicht stoppen wird“, schreibt die Wochenzeitung Al Ahram. „Es ist besser, sie kehren nach Bagdad zurück und stellen der iranischen Präsenz selbst etwas entgegen.“ Martin Gehlen

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