Politik : Rückschlag auf Brüsseler Bühne

JOBST KNIGGE

BRÜSSEL .Es galt als große politische Herausforderung, den in Europa hoch geachteten Theo Waigel als Finanzminister auf der EU-Bühne zu ersetzen.Aber schon der erste Schritt auf dieser Bühne war für Lafontaine ein Ausrutscher.Allseits wurde es ihm angekreidet, daß er als deutscher EU-Ratsvorsitzender beim feierlichen Start des Euro durch Abwesenheit glänzte, weil er einen Winterurlaub nicht unterbrechen wollte.

Anschließend wäre es wohl im Sinne von EU-Währungskommissar Yves Thibault de Silguy gewesen, wenn Lafontaine alles unternommen hätte, um das Vertrauen in die neue Währung auf internationalem Parkett zu stärken.Stattdessen mußte Brüssel hilflos zuschauen, wie Lafontaine mit seinen ständigen Forderungen nach Zinssenkungen die Unabhängigkeit der erst um Vertrauen ringenden Europäischen Zentralbank attackierte.

Dagegen brachte Lafontaine die Verhandlungen zur EU-Reform voran, wobei er die Forderung seines Vorgängers Waigel zur Verringerung der deutschen Nettozahlungen zum EU-Haushalt voll aufnahm.Ganz allgemein wollte die deutsche Präsidentschaft bei den EU-Ausgaben vor allem den Sparstift ansetzen.Dafür kamen aus Bonn konkrete Vorschläge.Nun ist der Rücktritt Lafontaines mitten in diesen Verhandlungen auch unter den EU-Politikern in Brüssel wie eine Bombe eingeschlagen.

"An eine so spektakuläre Krise in der Führung einer Ratspräsidentschaft kann ich mich nicht erinnern", sagte ein hoher Vertreter des EU-Ministerrates.Die deutsche Leitung der Ministerräte war bereits am Donnerstag ins Schleudern geraten, als Bundesumweltminister Jürgen Trittin überstürzt aus Brüssel nach Bonn zurückreiste.Offizielle Kommentare zu dem Rücktritt wollte im vorsichtig-diplomatischen Brüssel keiner abgeben.

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