Politik : Rücktritt: Der Dienstälteste geht

Daniel Birchmeier

"Ich gehe, wie ein Sportler, auf dem Höhepunkt meiner Karriere", erklärte der Schweizer Bundespräsident und Verteidigungsminister Adolf Ogi am Mittwoch. Diese Einschätzung wird in der Schweiz von Ogis vielen Freunden und wenigen Feinden geteilt. Der Berner Oberländer gilt als erfolgreicher Bundesrat, obwohl er von seiner eigenen Partei, der konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), wegen seiner weltoffenen und liberalen Haltung in den letzten Jahren kaum mehr gestützt worden war.

Seit Monaten war über das Ausscheiden des amtsältesten Mitglieds aus dem siebenköpfigen Bundesrat spekuliert worden. Obwohl es keine zwingenden Gründe für den Abgang des rüstigen und populären Politikers gab, kam der Rücktritt deshalb nicht überraschend. Ogi erklärte, es gebe immer Gründe, noch länger im Amt zu bleiben; aber nun freue er sich, mehr Zeit für seine Familie zu haben.

Der einstige Direktor des Schweizerischen Skiverbands, der als Technischer Leiter verantwortlich war für den Medaillenrausch der Schweizer Skifahrer bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo ("Ogis Leute siegen heute", lautete damals das Motto), wurde 1987 zum Bundesrat gewählt. Acht Jahre lang leitete er das Verkehrs- und Energiedepartement, wobei sein hartnäckiger Einsatz für die Neuen Alpentransversalen (Neat) am Gotthard und am Lötschberg sowie die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene auch international für Aufsehen sorgte.

Gegen seinen Willen zwangen ihn seine Bundesrats-Kollegen vor fünf Jahren ins Ministerium für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Dort sorgte er innerhalb kürzester Zeit dafür, dass der Umbau der Schweizer Armee in Bewegung kam. Unter Ogi trat die Schweiz der "Partnerschaft für den Frieden" der Nato bei und nahm erstmals an friedenserhaltenden Uno-Auslandeinsätzen teil.

In der breiten Bevölkerung ist der amtierende Bundespräsident aber vor allem wegen seiner Bescheidenheit und Auftritte in den Medien bekannt. So war sich Ogi als Energieminster keineswegs zu schade, in einem Werbespot für das Energiesparen die richtige Technik beim Eierkochen zu demonstrieren.

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