• Rücktritt des Bundespräsidenten: Der zweite deutsche Präsident tritt lieber zurück, als nach Burkina Faso zu reisen

Rücktritt des Bundespräsidenten : Der zweite deutsche Präsident tritt lieber zurück, als nach Burkina Faso zu reisen

Wenige Tage vor seiner Reise nach Burkina Faso ist 2010 Horst Köhler als Präsident zurückgetreten. Am Sonntag in einer Woche wollte Christian Wulff in das westafrikanische Land reisen. Es blieb beide Mal beim Plan.

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Der verstorbene Regisseur Christoph Schlingensief träumte von einem Operndorf in Afrika. Er wählte dafür ein Dorf in Burkina Faso aus. Seine Witwe Aino Laberenz hat die ersten Gebäude gut 30 Kilometer von der Hauptstadt Ouagadougou im vergangenen Herbst veröffentlicht. 2010 wollte Horst Köhler den Ort besuchen. In wenigen Tagen hätte Christian Wulff anreisen sollen.
Der verstorbene Regisseur Christoph Schlingensief träumte von einem Operndorf in Afrika. Er wählte dafür ein Dorf in Burkina Faso...Foto: dapd

Burkina Faso scheint ein gefährlicher Ort für deutsche Präsidenten zu sein. 2010 hatte der damalige Präsident Horst Köhler eine Reise in das westafrikanische Land geplant, trat aber wenige Tage vorher zurück - und die Reise nie an. Christian Wulff wollte am 26. Februar in Burkina Faso eintreffen. Auch er wird das Ticket nicht nutzen. In den Medien des Landes ist die Absage am Freitag allerdings noch nicht vermeldet worden, dort spielt der Rücktritt Wulffs keine Rolle. Wulffs Reise hätte ihn nicht nur nach Burkina Faso sondern auch nach Tansania und Sambia führen sollen. Auch dort ist sein Rücktritt publizistisch noch nicht angekommen.

Aber was ist dran an Burkina Faso, das deutsche Präsidenten dazu bringt, lieber zurückzutreten als anzureisen? Aktuell kämpft das Land mit den Vorboten einer Ernährungskrise. Die Ernten waren schlecht, und die Dürre, die auch andere Länder der Sahelzone getroffen hat, hat auch um Burkina Faso keinen Bogen gemacht. Regiert wird das Land seit 1987 von Blaise Compaore. Er stürzte den legendären Thomas Sankara, der dem früheren Obervolta seinen neuen Namen gab. Burkina Faso bedeutet "Land der ehrlichen Männer". Thomas Sankara war selbst 1983 durch einen schon damals von Campaore organisierten Coup an die Macht gekommen. Doch seine sozialistische Politik gefiel Campaore nicht lange. Er stürzte Sankara und ließ ihn hinrichten. Seither herrscht Campaore unangefochten über das Land, das vor allem vom Baumwollanbau lebt. Drei mal hat sich Campaore zum Präsidenten wählen lassen. Er hat zwar versprochen, dass seine dritte Amtszeit seine letzte sein soll und inzwischen hat er auch ein Mehrparteiensystem zugelassen. Doch bis heute herrscht Campaore, wenn er es für nötig hält, mit harter Hand. Vor einem guten Jahr war er mit einer Meuterei in der Armee konfrontiert war. Er entließ hunderte oder stellte sie wegen Hochverrats vor Gericht. Im Land wird bereits damit gerechnet, dass er die Verfassung ändern lässt, um bei der nächsten Wahl zum vierten Mal antreten zu können.

Blaise Campaore regiert Burkina Faso seit 1987. Er kam durch einen Putsch an die Macht und wurde seither drei Mal zum Präsidenten gewählt.
Blaise Campaore regiert Burkina Faso seit 1987. Er kam durch einen Putsch an die Macht und wurde seither drei Mal zum Präsidenten...Foto: AFP

Trotz dieser zweifelhaften Reputation als nicht gerade Demokrat ist Campaore in westafrikanischen Konflikten der vergangenen Jahre mehrfach als Vermittler eingesetzt worden, manchmal vom westafrikanischen Staatenbund Ecowas oder auch von der Afrikanischen Union. Auch der verstorbene Regisseur Christoph Schlingensief hatte keine Berührungsängste. Für sein Operndorf in Afrika wählte er einen Ort auf dem Land gute 30 Kilometer von der Hauptstadt Ouagadougou aus. Seine Witwe Aino Laberenz hat im vergangenen Herbst die ersten Gebäude des Operndorfes eröffnet. Übrigens hatte Horst Köhler eben dieses Operndorf bei seinem dann abgesagten Besuch in Burkina Faso besuchen wollen.

Doch nicht nur CDU-nahe Bundespräsidenten tun sich mit Ouagadougou schwer. Der Finanzminister der großen Koalition, Peer Steinbrück (SPD), hat 2009 die Schweiz mit Ouagadougou gleichgesetzt und beide als Steuerparadies bezeichnet. In der Schweiz kam das nicht gut an. In Burkina Faso auch nicht. Der nächste Bundespräsident oder die nächste Präsidentin sollte jedenfalls sehr nachdenklich werden, wenn ihm oder ihr ein Ticket nach Ouagadougou gebucht wird. Das könnte der Anfang vom Ende einer Präsidentschaft sein.

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