Politik : Rückzug in drei Etappen

Papst „zutiefst betrübt“ über Reaktionen auf seine Islam-Rede / Kritik an Benedikt XVI. auch im Vatikan

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So schnell und so eindeutig, heißt es in Italien, habe sich in den vergangenen 2000 Jahren noch kein Papst entschuldigt: Nach heftiger Kritik aus islamischen Ländern übt sich Benedikt XVI. in Schadensbegrenzung. Es war ein Rückzug in drei Etappen. Am Dienstagabend hatte der Papst in der Regensburger Universität einen byzantinischen Kaiser mit den Worten zitiert, Mohammed habe „nur Schlechtes und Inhumanes“ in die Welt gebracht „wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“.

Am Donnerstagabend musste zuerst der neue Pressesprecher des Vatikan, Federico Lombardi, „klarstellen“, dass der Papst „keineswegs die Gefühle gläubiger Muslime beleidigen wollte“. Am Samstag dann war es, hierarchisch noch höher angesiedelt, der neue „zweite Mann“ im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der in einer Fünf-Punkte-Erklärung ausführlich die „Wertschätzung des Papstes für gläubige Muslime“ darlegte. „Der Heilige Vater bedauert es zutiefst, dass einige Passagen seiner Rede wie eine Beleidigung klingen konnten und in einer Weise interpretiert wurden, wie es nicht seinen Absichten entsprach.“

Am Sonntag dann sprach Benedikt XVI. persönlich. Beim Angelusgebet in Castel Gandolfo sagte er, das „mittelalterliche Zitat“ habe „in keiner Weise mein persönliches Denken ausgedrückt“. Er sei „zutiefst betrübt über die Reaktionen, die ein kurzer Passus meiner Rede hervorgerufen“ habe. Der „wahre Sinn“ seiner Worte sei „in ihrer Ganzheit eine Einladung zu einem freimütigen und aufrichtigen Dialog unter großem gegenseitigen Respekt“ gewesen: „Ich hoffe, dass dies dazu dient, die Gemüter zu beruhigen.“ Warum er aber genau jenes Zitat in seine Vorlesung eingebaut hatte und warum er es dort zunächst ohne jede Distanzierung oder Entgegnung so stehen ließ, das sagte der Papst in seiner knapp zweiminütigen Wortmeldung nicht.

Mit seiner Entschuldigung reagierte Benedikt XVI. womöglich auch auf erste Kritik innerhalb des Vatikans. Die Tageszeitung „La Stampa“ zitiert einen Kurienprälaten: „Unter Johannes Paul II. wäre so etwas nicht passiert.“ Offenbar, so heißt es in Rom, habe es niemand gewagt – oder keiner die Gelegenheit bekommen –, die Rede eines als so gelehrt geltenden Papstes kritisch gegenzulesen. Hinzu kam, dass sich das Staatssekretariat, die oberste politisch-diplomatische Instanz des Vatikans, gerade im Umbruch befand: Der bisherige Chef, Angelo Sodano, wurde gegen seinen Willen in Pension geschickt, der neue, Tarcisio Bertone, hatte sein Amt in der Vorbereitungsphase des Bayern-Besuchs noch nicht angetreten.

Noch ist unklar, ob das Bedauern Benedikts den Ärger in der muslimischen Welt beenden wird. Am Sonntag hatten arabische Zeitungen eine persönliche Entschuldigung vom Oberhaupt der katholischen Kirche gefordert. Der frühere Vize-Imam von Kairos Al-Azhar-Moschee, Mahmoud Ashur, sagte er gleich nach der Papst-Ansprache, „das ist nicht genug. Er muss sich entschuldigen und sagen, dass er einen Fehler gemacht hat.“ Der Führer der ägyptischen Muslimbrüder, Mohammed Mahdi Akef, dagegen versuchte, die Gemüter zu beruhigen. Die Erklärung des Papstes bezeichnete er als „ausreichend“.

Währenddessen häufen sich in Italien die Schreckensmeldungen: Islamisch-fundamentalistische Websites drohten mit der „Ausradierung Roms“. In der somalischen Hauptstadt Mogadischu wurden am Sonntag eine italienische Nonne und ihr Leibwächter erschossen. In Kreisen der islamistischen Machthaber wurde nicht ausgeschlossen, dass die Tat in Zusammenhang mit den Äußerungen des Papstes stand. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte, er hoffe, dass es sich bei dem Tod der Nonne um einen vereinzelten Vorfall handle.

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