Politik : Rüstet Russland für „großen Krieg“ im Nordkaukasus?

Elke Windisch

Moskau - Die Lage im Nordkaukasus droht zu eskalieren. Der Konflikt Russlands mit der abtrünnigen Republik Tschetschenien, der bereits über zehn Jahre währt, destabilisiert mehr und mehr auch die benachbarten Teilrepubliken. Vor allem im ethnisch bunt durchmischten Dagestan, wo islamische Extremisten parallele Machtstrukturen aufgebaut haben. Für den Kreml Grund, die Flucht nach vorn anzutreten. Mit der bisher größten Truppenverschiebung seit dem Ende der Sowjetunion 1991.

Moskau, schrieb die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“, sähe sich im Nordkaukasus mit „bisher nie da gewesenen militärischen Herausforderungen“ konfrontiert, vergleichbar mit der akuten Bedrohung durch einen Aggressor, und rüste sich für einen „großen Krieg“ in der Region.

Zusätzliche Verbände sollen nicht nur in Tschetschenien, sondern auch in den anderen sechs nationalen Teilrepubliken und den drei nordkaukasischen Gebietskörperschaften stationiert werden. Bereits bestehende Verbände sollen durch frische Truppen ergänzt werden. Bataillone sollen durch Regimenter, Brigaden durch Divisionen ersetzt werden. Im Klartext: Wo gegenwärtig 600 beziehungsweise 2500 Soldaten stehen, werden es künftig dreimal so viele sein.

Die neuen Planstellen sollen vor allem mit frischgebackenen Absolventen von Offiziershochschulen – Neulinge, die noch kein Pulver gerochen haben, wie sich die „Nesawissimaja“ empörte – und mit Vertragssoldaten besetzt werden. Insgesamt hat Moskau in Tschetschenien nach Schätzungen von Experten derzeit rund 35000 Soldaten stationiert.

Die meisten Einheiten sind Verbände des Innenministeriums, die, ähnlich gut bewaffnet wie die reguläre Armee, anders als diese jedoch nicht einen Angriff von außen abwehren, sondern innere Unruhen niederhalten sollen. Dass 2006 die Federführung des als Anti-Terror-Operation verharmlosten Feldzugs ganz an das Innenministerium geht, werten Beobachter als unfreiwillige Bankrotterklärung russischer Kaukasuspolitik.

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