Rüstung : Atomtest: Nordkorea zündet weitere Raketen

UPDATE Erstmals seit 2006 hat das kommunistische Nordkorea einen Atomtest durchgeführt und offenbar drei weitere Kurzstreckenraketen abgefeuert. Die Nachbarstaaten sind alarmiert - Japan ruft nach dem Weltsicherheitsrat. Die USA sind "tief besorgt".

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Nordkoreas Machthaber Kim (l.) hatte schon länger mit neuen Waffentests gedroht. -Foto: dpa

SeoulStunden nach bekannt werden eines zweiten Atomtests im koreanischen Norden macht sich weltweit Besorgnis breit. Denn das Ziel der Aktion formulierte die Regierung in Pjöngjang unzweideutig: Das Land habe damit die Sprengkraft und Präzision seiner Atombombe gesteigert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Der Test sei Teil der "Maßnahmen zur Stärkung der atomaren Abschreckungskräfte zur Selbstverteidigung in jeder Hinsicht".



Seismologen rund um den Erdball hatten ein künstliches Erdbeben der Stärke 5,3 gemessen. Während amerikanische, südkoreanische oder japanische Experten noch prüften, ob die Erdstöße von einer Kernwaffenexplosion herrührten, ließ Russlands Verteidigungsministerium am Vormittag wissen, man zweifle nicht mehr daran, dass es einen Atomtest gegeben habe. Die Kernexplosion habe eine Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen TNT gehabt, sagte ein Ministeriumssprecher, und habe etwa 80 Kilometer nordwestlich der Stadt Kilchu stattgefunden.



Die Experten prüfen noch, ob die Erdstöße auf einen Atomtest hindeuten. Doch sie haben bereits politische Folgen: Südkoreas Präsident Lee Myung Bak berief den Nationalen Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung ein.

Nordkorea hatte gedroht

Zusätzlich zu dem unterirdischen Atomtest hat Nordkorea am Montag offenbar drei Raketentests ausgeführt. Neben einer Boden-Luft-Rakete mit einer Reichweite von 130 Kilometern seien zwei weitere Kurzstrecken-Raketen abgefeuert worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Erst Ende April hatte das kommunistische Land mit einem weiteren Atomtest und Raketentests gedroht. Als Grund nannte die Regierung in Pjöngjang, dass der UN-Sicherheitsrat den Test einer Rakete mit größerer Reichweite verurteilt hatte. Nordkorea verlangte damals eine Entschuldigung von dem höchsten UN-Gremium und die Rücknahme von Sanktionen und kündigte einen Boykott der Sechs-Parteien-Gespräche mit Südkorea, Japan, China, Russland und den USA an.

Japan forderte umgehend eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, auf der Tokio auf eine neue Resolution zu Nordkorea drängen will. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, Japan erwäge zudem eine Verschärfung seiner eigenen Sanktionen gegen das abgeschottete Land. Aus Russland war zu hören, das höchste UN-Gremium werde noch am Montag zusammentreten.

Auch Frankreich forderte härtere UN-Sanktionen. In den kommenden Stunden werde Paris mit seinen Partnern der Vereinten Nationen über die Konsequenzen "dieser schwerwiegenden Handlung" beraten, sagte Außenminister Bernard Kouchner.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich tief besorgt. Der Test ziele darauf ab, die internationale Gemeinschaft zutiefst zu verunsichern und sei ein "schwerer Schlag gegen den internationalen Frieden und die Sicherheit", sagte er. Die USA kündigten an, sich mit Verbündeten zu beraten.

Kim Jong Il will Druck auf internationale Gemeinschaft erhöhen

Demonstranten im südkoreanischen Seoul verbrannten in einer Protestaktion nordkoreanische Flaggen und eine Nachbildung einer Missile-Rakete. In dem Land brach der Aktienmarkt ein, die Landeswährung Won gab nach. "Nordkoreas Berichte über einen Atomtest haben an den Märkten Panik ausgelöst", sagte Kwak Joong-Bo von Hana Daetoo Securities. Die Börse in Tokio gab nach den Berichten einige ihrer Gewinne wieder ab, steckte die Nachricht aber vergleichsweise gut weg.

Beobachter sagen, Nordkorea wolle mit dem neuerlichen Atomtest den Druck auf die internationale Gemeinschaft erhöhen, um weitere Zugeständnisse zu erreichen. Die Nordkorea-Expertin des Shanghaier Instituts für internationale Beziehungen, Yu Yingli, misst dem Test vor allem politische Bedeutung zu. Er sei Teil einer beständigen Politik und reihe sich wie der Raketenabschuss im April ein in eine Serie ähnlicher Aktivitäten. "Der Zweck ist, den Druck auf die Weltgemeinschaft zu erhöhen, damit Nordkorea erreicht, was es will und braucht", sagte Yingli. Nach innen könne Militärmachthaber Kim Jong Il auch seine Position im Volk und die Kontrolle über das Land stärken.

Doch rechnet die Expertin nicht mit Wirtschaftssanktionen, die ohnehin keine Abschreckungswirkung auf Nordkorea hätten. Ob Nordkorea jemals sein Atomwaffenprogramm aufgeben wollte, wie in den Sechs-Parteien-Verhandlungen angestrebt, bezweifelte Yu Yingli. Nordkorea habe einen langfristigen Plan, sich zu einer Atommacht zu entwickeln. (nal/sf/dpa/rtr/AFP)

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