Politik : Rüstung: Friedensinstitut Sipri: Militärausgaben steigen weltweit erstmals wieder an

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Die weltweiten Rüstungsausgaben beginnen nach zehn Jahren mit erheblichen Kürzungen wieder anzusteigen. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Mittwoch in seinem Jahrbuch 2000 zu Rüstung und Abrüstung angab, nahmen die Militär-Etats aller Staaten 1999 im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent auf 1,6 Billionen Mark (811 Milliarden Euro) zu.

Im Vorjahr hatte das Institut noch eine Verringerung der Militärhaushalte um 3,5 Prozent ermittelt. Im Vergleich zum Ende des Kalten Krieges 1990 wurde zum Jahrtausendwechsel etwa ein Drittel weniger für die Rüstung ausgegeben. Sipri-Chef Adam Daniel Rotfeld sagte zu dem erneuten Anstieg der Militärausgaben: "Man darf das nicht überbewerten. Eigentlich geht es um eine Stabilisierung und Stagnation." In den kommenden Jahren sei keine neue "Explosion" der Rüstungsausgaben zu erwarten.

Entscheidend zur Entwicklung des vergangenen Jahres beigetragen haben Sipri zufolge die militärischen Großmächte USA, Frankreich, China und Russland mit jeweils höheren Militärausgaben. Russland erhöhte seine Staatsausgaben für militärische Zwecke um 24 Prozent, lag damit aber immer noch um 53 Prozent niedriger als 1992 kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Insgesamt wendeten die Staaten der Welt 2,6 Prozent der Brutto-Inlandsprodukte für Militärausgaben auf.

Sipri warnt im Jahrbuch vor den Gefahren durch geheime nordkoreanische Rüstungsprogramme für Atomwaffen. Nordkorea habe seine Verpflichtungen aus bilateralen Übereinkommen mit der Internationalen Atomenergie-Agentur nicht erfüllt. "Damit verstärkt sich der Verdacht, dass das Land geheime Atomwaffen-Programme durchführt", erklärte das Stockholmer Institut. In den 90er Jahren habe Nordkorea bereits die Entwicklung von Langstreckenraketen beschleunigt, die auch in verschiedenen Ausführungen getestet worden seien und das Regime in Pjöngjang befähigen könnten, Sprengköpfe auch über kontinentale Grenzen hinweg zu verschießen.

Zu den Regionen mit deutlich wachsenden Militärhaushalten gehörte neben Südostasien auch Afrika. Auf diesem Kontinent wurden im vergangenen Jahr elf der weltweit 27 Kriege ausgetragen. Bei den beiden europäischen Kriegen bezifferte Sipri die Zahl der Toten im Kosovo auf 1000 bis 3000 und in Tschetschenien auf mindestens 4000. In Asien wurden 1999 drei und in Nahost sowie Südamerika je zwei Kriege ausgetragen. Größter Krieg des vergangenen Jahres sei der in der Demokratischen Republik Kongo mit neun beteiligten Staaten und mindestens neun Rebellengruppen gewesen.

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