Rüstung : Rumänien offen für US-Raketenabwehr

Die USA wollen nach dem Aus für den Raketenschutzschirm ein konventionelles Abwehrsystem in Polen und Tschechien installieren. Nun haben sie dafür auch Rumänien gewonnen.

Rumänien will sich am osteuropäischen Raketenabwehrsystem der USA beteiligen. Der Oberste Verteidigungsrat (CSAT) habe Pläne der US-Regierung zur Stationierung von Komponenten des Verteidigungssystems gebilligt, sagte der rumänische Präsident Traian Basescu in Bukarest. Die Zustimmung sei unmittelbar auf das Eintreffen eines entsprechenden Antrags von US-Präsident Barack Obama erfolgt.

Um welche Art von Komponenten es sich handelt, präzisierte Basescu allerdings nicht. Er sprach von "terrestrischen Einrichtungen zur Auskundschaftung", womit womöglich Radaranlagen gemeint sind. Basescu sagte, der Plan sei nicht gegen Russland gerichtet. Stattdessen solle Rumäniens Sicherheit besser geschützt werden.

Dem Präsidenten zufolge sollen die Komponenten ab 2015 in Rumänien stationiert werden. Der Nato-Staat werde in Kürze Verhandlungen mit den USA über die Details beginnen. Allerdings muss das rumänische Parlament noch seine Zustimmung erteilen. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Senat, Teodor Melescanu, sagte hierzu, im Parlament sei nicht mit Problemen zu rechnen.

Die USA planen in Osteuropa ein System aus see- und landgestützten Abwehrraketen. Es soll vor allem gegen Angriffe aus Iran schützen. Die ursprünglichen Pläne seines Vorgängers George W. Bush, einen Schild gegen Langstreckenraketen zu installieren, hatte Obama mit Rücksicht auf Russland gestrichen. Die USA wollen nun ein mobiles System zum Schutz vor Raketen kürzerer und mittlerer Reichweite etablieren, das aus ihrer Sicht dem derzeitigen und längerfristigen Stand einer Bedrohung durch Iran besser gerecht wird. Dazu sind bereits Gespräche mit Polen und Tschechien im Gange, aber auch in anderen nord- und südeuropäischen Staaten sollen den Plänen zufolge Teile des Schildes stationiert werden. Russland steht allerdings auch den neuen Plänen skeptisch gegenüber.

Wie die New York Times am vergangenen Wochenende berichtete, beschleunigen die USA angesichts des Streits um das iranische Atomprogramm den Aufbau ihres Anti-Raketenschildes am Persischen Golf. Dazu zählten die Entsendung von Spezialschiffen vor die iranische Küste und die Lieferungen von Raketen-Abfangsystemen an mindestens vier arabische Staaten. Präsident Obama hatte erst in seiner Rede zur Lage der Nation vorige Woche Teheran erneut mit "Konsequenzen" gedroht, sollte Iran weiterhin nicht zum Einlenken bereit sein. Zuletzt zeigte sich die Führung in Teheran kompromissbereit und stimmte einer Anreicherung ihres atomaren Brennmaterials im Ausland zu.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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