Rüstungsgeschäfte : Sipri-Bericht: Verteidigungsetats gehen zurück

Der Umsatz mit Waffen und militärischen Dienstleistungen ist rückläufig.

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Die globale Rüstungsindustrie bekommt die staatlichen Sparprogramme in zahlreichen Ländern zu spüren. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes Sipri sank der Umsatz bei Waffen und militärischen Dienstleistungen 2011 gegenüber dem Vorjahr weltweit um fünf Prozent auf 410 Milliarden Dollar (umgerechnet 307 Milliarden Euro). Dies sei nicht nur eine Folge der Kürzungen in den Verteidigungsetats, sondern auch des militärischen Rückzugs aus Afghanistan und dem Irak sowie der zeitweiligen Sanktionen gegen Libyen, teilte Sipri mit.

Damit verzeichnet die weltweite Rüstungsproduktion den ersten Rückgang seit Jahren. Seit den Terroranschlägen auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 waren die Waffengeschäfte rund um den Globus stetig gewachsen. So machten die Rüstungskonzerne laut Sipri zwischen 2002 und 2011 ein Umsatzplus von 60 Prozent. In den vergangenen beiden Jahren hatte sich das Wachstum im Rüstungsbereich wegen der weltweiten Finanzkrise verlangsamt. 2011 hatten die Militärausgaben weltweit erstmals seit 1998 stagniert. Dabei lagen die USA mit 711 Milliarden Dollar an der Spitze der Sipri-Liste, gefolgt von China und Russland, die jeweils 143 und 71,9 Milliarden US-Dollar ins Militär investierten. Deutschland landete mit 46,7 Milliarden US-Dollar auf dem achten Platz.

Als wichtigsten Zukunftsmarkt für die Rüstungsindustrie nannte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut im diesjährigen Bericht „Cyberwaffen“, auf den die Rüstungskonzerne wegen des sinkenden Investments in konventionelle Waffen setzen. Cyberwaffen sind unter anderem in der Lage, gegnerische Waffensysteme zeitweilig lahmzulegen oder die Koordination feindlicher Aktivitäten zu erschweren. Vor allem für die Abwehr von Angriffen auf Computersysteme würde trotz aller Sparmaßnahmen zusätzlich Geld bereitgestellt, heißt es im aktuellen Sipri-Jahresbericht. Die Beschaffung von Zahlen sei hier allerdings schwierig, weil es häufig keine Trennung zwischen zivilen und militärischen Aufträgen gebe. In den vergangenen Monaten hatte es unter anderem mehrere Hackerangriffe auf amerikanische Medienunternehmen gegeben.

Der größte Rüstungskonzern der Welt bleibt laut Sipri weiterhin Lockheed Martin in den USA mit einem Umsatz für diesen Bereich von 36,3 Milliarden Dollar, gefolgt von Boeing (USA) mit 31,8 Milliarden Dollar. Auf dem dritten Platz lag der britische Konzern BAE Systems of Britain mit 29,2 Milliarden Dollar im Jahr 2011. Als größtes deutsches Rüstungsunternehmen rangiert Rheinmetall auf dem 26. Platz. Der börsennotierte Düsseldorfer Automobilzulieferer und Rüstungskonzern machte mit Rüstungsgütern einen Umsatz von drei Milliarden Dollar. Im Vorjahresbericht hatte der Konzern Platz 31 belegt. Weitere deutsche Firmen unter den Top 100 waren Thyssen-Krupp (Platz 56), die Firma Diehl (Platz 63) und der Münchener Triebwerkshersteller MTU (Platz 100). (mit dpa)

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