Politik : Rüttgers beruft neuen Parteimanager

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Für Hendrik Wüst war die Zeitungslektüre in den zurückliegenden Tagen nur mäßig vergnüglich. Obwohl der 30-jährige Chef der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen seit Wochen als Kandidat Nummer eins für den frei werdenden Posten des CDU-Generalsekretärs genannt wurde, las er manche Berichte mit anderen Namen, die Parteichef Jürgen Rüttgers angeblich bevorzuge. Selbst Angela Merkel wurde als Kronzeugin gegen ihn ins Feld geführt. Die Kanzlerin, so hieß es, wünsche sich einen erfahrenen Strategen, für den der Posten am Rhein die Krönung der Karriere darstelle. Einer wie Wüst, so konnte man schlussfolgern, sei zu jung und kaum geeignet, den holprigen Start der CDU geführten Regierung in Nordrhein-Westfalen vergessen zu machen.

Da Wüst mit den Kabalen in der Regierungszentrale von Rüttgers als Chef der JU und als Justitiar der Landtagsfraktion ausreichend vertraut ist, musste ihm niemand mehr erklären, dass die öffentlichen Spekulationen vor allem einem Zweck dienten: Jemand wollte ihn verhindern.

Rüttgers war von etlichen Parteifreunden darauf aufmerksam gemacht worden, dass man die Arbeit der neuen Regierungszentrale für stark verbesserungswürdig hält. In der Kritik steht etwa Staatskanzleichef Hans Heinrich Große Brockhoff. „Das ist ein Intriganten-Stadel“, urteilt einer, der die Lage genau kennt und mit Missvergnügen feststellt, dass unschöne Details über Arbeitsverträge und Dienstwagen von eher untergeordnetem Personal in der Öffentlichkeit gestreut werden. Auch der scheidende Generalsekretär Hans-Joachim Reck hat im Zusammenhang mit der Staatskanzlei das Wort „intrigant“ in den Mund genommen. Sein Urteil wird allerdings nicht ganz ernst genommen – Reck gilt als enttäuscht, weil Rüttgers ihn nach dem Wahlsieg nicht zum Wirtschaftsminister gemacht hat.

Rüttgers hat sich die Personalentscheidung zum Generalsekretärsposten nicht leicht gemacht – obwohl gegen Wüst allenfalls sprach, dass er wegen seines Alters über begrenzte Erfahrung verfügt. Wüst war im Parlament als scharfzüngiger Kritiker der „Sozis“ aufgefallen, der die Oppositionsattacken lautstärker gekontert hat als CDU-Fraktionschef Helmut Stahl. Seit dem Wochenende aber steht fest: Wüst wird Generalsekretär. Über die anderen Baustellen in seiner Staatskanzlei mochte der seit knapp einem Jahr amtierende Ministerpräsident allerdings weiter nicht öffentlich reden.

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