Rufmordkampagne : Browns "Sorry" kommt nicht an

Die Affäre um eine Rufmord-Kampagne gegen führende Tory-Politiker setzt Großbritanniens Premier unter Druck. Brown hat sich zunächst mit einem zweitägigen Besuch in Schottland aus dem Verkehr gezogen. Doch der Skandal hält an.

Matthias Thibaut[London]
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Die konservative Hinterbänklerin Nadine Dorries wollte ihre Verachtung für Premier Gordon Brown nicht verbergen. „Wenn er meinen Namen richtig buchstabiert und sich aufrichtig entschuldigt hätte, wäre die Sache vorbei.“ Aber nun erneuerte sie ihre Attacken auf die Downing Street, nannte das Büro des Premiers einen „Sumpf“ und wiederholte ihre Forderung nach einer persönlichen Entschuldigung des Premiers.

Brown hatte ihr in einem handschriftlichen Brief sein Bedauern über Gerüchte um E-Mails aus der Downing Street ausgedrückt, welche die britische Politik seit dem Osterwochenende in Bann schlägt. Der Skandal war aufgeflogen, als ein konservativer Blogger E-Mails an den Tag brachte, die Browns persönlicher Berater Damian McBride in der Downing Street aufgesetzt hatte. Sie enthielten Gerüchte, Andeutungen und Lügen über führende Tory-Politiker. McBride und der ehemalige Downing-Street-Spin-Berater Derek Draper planten, mit den Erfindungen und Halbwahrheiten eine Rufmord-Kampagne über eine labournahe Internet-Klatschseite namens „Red Rag“ (rote Lumpen) zu führen. Zielscheibe waren neben der Abgeordneten Dorries der Schatten-Schatzminister George Osborne und Torychef David Cameron.

Aber Browns Versuch, sich aus der Affäre herauszuhalten, scheiterte. Erst nach der Veröffentlichung seines „Entschuldigungsbriefes“ an die Abgeordnete Dorries trat Oppositionschef David Cameron vor die Kameras – und forderte pointiert eine Entschuldigung Browns.

Brown zog sich gestern mit einem zweitägigen Besuch in Schottland aus dem Verkehr und schickte den Leiter des staatlichen Beamtenapparats, Sir Gus O’Donnell, an die Front. Der versicherte, die Regeln gegen die „Verbreitung unpassender Materialien“ seien verschärft worden. Verstöße würden hinfort mit automatischer Entlassung bestraft. Doch die Tories konterten schnell: „Wir brauchen keine neuen Regeln, wir brauchen eine andere politische Kultur in der Downing Street.“ Bezeichnenderweise ist Draper, der McBrides Schmier-Mails als „absolut brillant“ lobte und für eine Labour-Homepage für Parteimitglieder verantwortlich ist, weiter im Amt.

Brown war vor fast zwei Jahren mit dem Versprechen angetreten, mit der „Spin-Meisterei“ der Ära Blair aufzuräumen und neuen Anstand in die Politik zu bringen. Stattdessen vergeht seit Wochen kaum ein Tag, an dem nicht neue Geschichten zeigen, wie die moralischen Standards in der Regierungspartei gefallen sind. Nach einer Serie von Enthüllungen über Selbstbereicherung, Spesenreiterei und Vetternwirtschaft bis hinauf ins Labourkabinett kann der Skandal den Zynismus der Briten über ihre politische Klasse nur noch vertiefen.

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