Politik : Ruhe an Rhein und Ruhr

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Nicht einer hat Michael Vesper auf das Thema angesprochen. Seit den frühen Morgenstunden wirbt der grüne Spitzenkandidat um Stimmen für seine Partei, aber der Name Fischer ist noch nicht gefallen. „Das spielt keine Rolle mehr“, stellt Vesper fest. Wenn man Vesper nach Gründen für das überraschende Desinteresse fragt, gibt er zwei Antworten: „Erstens signalisieren wir mit Fischers frühem Auftritt (im Visa-Ausschuss): Wir haben nichts zu verbergen. Zweitens spielen inzwischen andere Themen eine Rolle. Rüttgers heizt mit seinen Aussagen zur Überlegenheit der katholischen Kirche den Wahlkampf richtig an.“

Die Genossen sind zwar oft anderer Meinung als die Grünen, aber darin pflichten sie Vesper bei. „Die Sache hängt tief, seit Fischer kämpft“, sagt SPD- Landeschef Harald Schartau. Norbert Römer, Bezirkschef Westliches Westfalen, stellt fest: „Es ist klar: Das ist ein Wahlkampfthema der CDU.“ Dass Fischer in der Popularität abgestürzt ist, kommentiert keiner der Genossen, aber hinter vorgehaltener Hand freut sich der eine oder andere schon, dass er in der Realität angekommen ist. In den SPD-Veranstaltungen wird aber viel über die Kapitalismus-Kritik von SPD-Chef Franz Müntefering debattiert. „Da gibt es große Zustimmung“, berichtet Harald Schartau. Die sieht auch Norbert Römer, der aber warnt: „Die Menschen sagen uns, dass wir uns auch nach dem Wahlkampf damit beschäftigen müssen.“ Wie Vesper spüren auch die Genossen, dass Jürgen Rüttgers ihren Wahlkampf mit seinen missverständlichen Äußerungen beflügelt. „Da kommt der wahre Rüttgers zum Vorschein – er spaltet“, urteilt Römer, der beobachtet, wie kritisch seine CDU-Widersacher ihren Spitzenkandidaten sehen: „Da haben viele Angst vor den Fernsehduellen, weil sie fürchten, dass Rüttgers dem nicht gewachsen ist.“ Michael Vesper sagt: „Rüttgers ist nicht mal einer Friedman-Sendung gewachsen, der kann nicht Ministerpräsident werden.“

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