Politik : Ruhe bewahren

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Es sind schwere Vorwürfe, die Gertrud Spitzer gegen die deutschen Behörden erhebt. „Man hat uns nie etwas gesagt. Nur, dass wir mit niemanden reden sollen“, sagte die Schwiegermutter der gestorbenen Geisel Michaela Spitzer der „Augsburger Allgemeinen“. Im Auswärtigen Amt hat man trotz der harten Worte Verständnis für die schwierige Situation, in der sich die Angehörigen befinden. „Wir bedauern, wenn bei ihnen der Eindruck entstanden ist, dass wir uns zu wenig um sie kümmern oder ihnen Informationen vorenthalten“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Tatsächlich stehe man mit ihnen „in einem intensiven Kontakt“. Neben der Betreuung durch das Landes und Bundeskriminalamt vor Ort hätten die Verwandten auch im Außenministerium feste Ansprechpartner, die sie jederzeit anrufen könnten. Zudem habe es regelmäßige Treffen in Berlin gegeben, und die Angehörigen seien mit den Informationen „sehr verantwortungsvoll umgegangen“. Den Vorwurf, dass gar nicht richtig verhandelt werde, wollte der Sprecher nicht kommentieren. „Zu den Gesprächen können wir nichts sagen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden.“ Geheimhaltung – das ist bei Entführungen für Vermittler und Geheimdienste das A und O. Nur so kann das Leben der Geiseln geschützt werden. Je mehr Unruhe herrscht, desto nervöser werden die Entführer. Das könne zur Folge haben, dass Verhandlungen unterbrochen werden – und die Geiselnehmer immer höhere Forderungen stellen, heißt es aus Sicherheitskreisen. Die Entführung auf der philippinischen Insel Jolo vor drei Jahren gilt als warnendes Beispiel. Deshalb legen die Verantwortlichen so viel Wert darauf, dass möglichst wenig Informationen nach draußen dringen. Wie weit Angehörige in Pläne eingeweiht werden, hängt vom jeweiligen Fall ab. Doch selbst bei den Betroffenen ist aus Geheimdienstsicht Zurückhaltung angebracht. „Informationen schaffen ja auch eine Erwartungshaltung“, sagt ein Insider. Ch.B./raw

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