Ruhestandssicherung : Zu wenig Rücklagen fürs Alter

Etwa ein Fünftel der Bürger vertraut allein auf gesetzliche Rente. Das ist heikel in Zeiten des demographischen Wandels. Besonders gefährdet sind Langzeitarbeitslose, die kaum Ansprüche sammeln können.

Cordula Eubel
Rentner
Zurücklehnen und genießen: Dieser Wunsch dürfte sich im Alter nicht für alle erfüllen. -Foto: ddp

Berlin/Würzburg - Mehr als eine Million Deutsche im Alter von 46 bis 50 Jahren sorgen bisher weder privat noch mit einer Betriebsrente fürs Alter vor, sondern setzen allein auf die gesetzliche Rente. Das geht aus der aktuellen Studie „Altersvorsorge in Deutschland“ hervor, die die Deutsche Rentenversicherung (DRV) am Mittwoch in Würzburg veröffentlichte. Der Präsident der Rentenversicherung, Herbert Rische, ermahnte die Bürger, zusätzlich Geld fürs Alter zurückzulegen. Wenn das nicht geschehe, „wird Altersarmut drohender“, sagte Rische. Die Rentenreformen der vergangenen Jahre werden sich im Geldbeutel der jüngeren Generation bemerkbar machen: Bei ihrem Rentenbeginn können die heute 46- bis 50-jährigen im Schnitt nur mit 88 Prozent des Alterseinkommens heutiger Rentner rechnen.

Die gesetzliche Rente wird nach Angaben der Rentenversicherung in Zukunft nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Dennoch vertrauen laut der Studie im Westen rund 15 Prozent der zwischen 1957 und 1961 geborenen Männer allein auf die gesetzliche Rente, bei den Frauen sind es sogar 24 Prozent. Gut ein Viertel der ostdeutschen Männern (27 Prozent) sorgen nicht ergänzend vor, von den ostdeutschen Frauen sind es 18 Prozent.

Dabei müssen sich vor allem Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern auf sinkende gesetzliche Renten einstellen. Während ostdeutsche Frauen im Alter von 61 bis 65 Jahren im Schnitt mit einer gesetzlichen Rente von 785 Euro im Monat rechnen können, müssen sich laut den Modellrechnungen in der rund 300 Seiten starken Studie die 45- bis 50-jährigen mit einer Durchschnittsrente von 690 Euro begnügen – ein Minus von 12 Prozent. Bei den Männern in den neuen Bundesländern sinken die Rentenanwartschaften von 967 Euro auf 820 Euro – ein Rückgang um 15 Prozent.

Verantwortlich für diese Entwicklung ist unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern. Annelie Buntenbach, Vertreterin des Deutschen Gewerkschaftsbunds im Vorstand der Rentenversicherung, verweist zudem auf die rasante Zunahme der „prekären Beschäftigung“ dort, also etwa Minijobs und Scheinselbständigkeit. Zusammen mit der hohen Arbeitslosigkeit und den niedrigen Einkommen lasse dies auf Armutsgefahren schließen, warnte die Gewerkschafterin. Nach Ansicht von DRV-Präsident Rische sind vor allem Langzeitarbeitslose „verhältnismäßig mickerig abgesichert“. Für ein Jahr Arbeitslosengeld-II-Bezug erhielten sie einen Rentenanspruch von gut zwei Euro im Monat.

Doch selbst wenn sie privat oder mit einer Betriebsrente vorsorgen, werden viele jüngere Arbeitnehmer im Alter weniger Geld zur Verfügung haben als ihre Kollegen, die jetzt in den Ruhestand gehen. Das gilt vor allem für Männer. Die heute 46- bis 50-jährigen müssen im Westen mit einem Minus von sechs Prozent bei ihren Alterseinkünften (1700 Euro auf 1596 Euro) rechnen, im Osten um zwei Prozent (1073 auf 1052 Euro). Etwas anders stellt sich das Bild bei den Frauen in Westdeutschland dar: Weil inzwischen ein größerer Anteil der jüngeren Frauen berufstätig ist, erwerben sie auch mehr Rentenansprüche. Ihre Altersbezüge steigen daher im Schnitt um acht Prozent von 788 auf 850 Euro. Das Einkommensniveau ihrer ostdeutschen Kolleginnen bleibt in etwa stabil – heute sind es 898, künftig werden es im Schnitt 911Euro sein.

DRV-Präsident Rische betonte, trotz der Senkung des Rentenniveaus könnten die jüngeren Jahrgänge im Alter ein höheres Sicherungsniveau erreichen als diejenigen, die absehbar in den Ruhestand gehen. Dies ist laut der Studie allerdings nur dann der Fall, wenn man in den Vorausberechnungen eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt unterstellt und davon ausgeht, dass alle Arbeitnehmer einen mit fünf Prozent verzinsten Riester-Sparvertrag abschließen. Eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge lehnte Rische jedoch ab. Dann sei zu befürchten, dass sich der Staat aus der Förderung der Altersvorsorge zurückziehe.

Die private und betriebliche Vorsorge sieht Rische im Osten zwar auf dem Vormarsch, allerdings auf geringem Niveau. Laut der Studie liegt der Anteil an den gesamten Alterseinkommen bei den Männern Mitte 60 bei sieben Prozent, bei den Ende 40-Jährigen sind es immerhin 15 Prozent. Bei den Frauen sind es in den entsprechenden Altersgruppen fünf beziehungsweise 14 Prozent.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben