Politik : Ruhig bleiben

Außenminister de Villepin ist der neue Polit-Star in Frankreich

Sabine Heimgärtner[Paris]

Der neue Politikerstar Frankreichs, wenn nicht Europas – zumindest des alten Europas – heißt Dominique de Villepin. Der französische Außenminister wird seit seiner Rede am Freitag vor dem UN-Sicherheitsrat als „Retter der Friedensalternative“ in der Irak-Frage gefeiert. Doch ein Medienstar will er nicht sein. Dass der 50-Jährige eine fast 25 Jahre lange Karriere im französischen diplomatischen Dienst hinter sich hat, unter anderem als Afrika-Spezialist sowie als Diplomat in Washington und Neu-Delhi, merkt man nur dann, wenn man genau zuhört - ein Logistiker, ein Pragmatiker und vor allem auch ein Pädagoge, ein Politiker der ruhigen, aber präzisen Worte. Nur mit diesen Eigenschaften, so urteilen die, die ihn kennen, habe er es geschafft, die USA und US-Außenminister Colin Powell als deren Vertreter an diesem entscheidenden Tag vor dem gesamten Gremium in die Defensive zu drängen. Dabei hat er eigentlich nur die Botschaft überbracht, dass der Irak-Konflikt möglicherweise durchaus friedlich zu lösen ist. Und die Kunst dabei war vor allem, mit sanfter Dominanz Worte zu wählen, die die Amerikaner nicht düpierten, trotz deutlicher Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris und Washington und drastischer Medienschelte, die sich in den letzten Tagen von der anderen Seite des Atlantiks über Frankreich ergoss. Auch da fand de Villepin den richtigen Ton und sprach, mit subtilem Humor, von seinem „alten Land auf einem alten Kontinent“, das die Verdienste der Amerikaner niemals vergessen habe.

Ruhig bleiben, keine Schwäche zeigen, versöhnlich sein – das ist das erste Gebot dieses Mannes mit dem sanft gelockten grauen Haar, den die Franzosen am Tag nach seiner Rede als „Wolf im Schafspelz“ feierten. Er selbst wird solcherlei Attribute kaum spektakulär finden, denn de Villepin, Absolvent der politischen Elite-Schule Ena, hält bereits seit Beginn der verschärften Irak-Debatte im vergangenen September strikt an seinem Konzept fest. „Man kann die kollektive Verantwortung nicht abgeben“, sagte er in einem Interview schon im Oktober und: „Das Vorgehen der internationalen Gemeinschaft muss auf einer gewissen Moralvorstellung und auf einer gewissen Vorstellung von internationaler Rechtmäßigkeit bestehen.“

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