Rumänien : Antifolterkomitee prangert Zustände in Psychiatrien an

Unterernährung, heimliche Versuche mit Medikamenten, verschmutzte Zimmer - Die Zustände in psychiatrischen Anstalten in Rumänien sollen nach Angaben des Europarat-Antifolterkomitees furchtbar sein. Nichts davon sei wahr, behauptet dagegen ein rumänischer Anstaltsleiter.

Straßburg/Bukarest Das Antifolterkomitee des Europarates hat die Behandlung von Patienten in psychiatrischen Anstalten Rumäniens angeprangert. In einer Klinik in Oradea würden neue Psychopharmaka an psychotischen Patienten ausprobiert, ohne dass die Betroffenen über die möglichen Risiken aufgeklärt würden, hieß es in dem Bericht des Komitees, der am Donnerstag in Straßburg veröffentlicht wurde. In Polizeidienststellen und Haftanstalten registrierten die Experten des Komitees nur vereinzelt Beschwerden über Brutalitäten der Polizei oder Gefängniswärter. Der Direktor der Klinik in Oradea, Gheorghe Oros, wies hingegen die Anschuldigungen zurück. "Davon ist nichts wahr", sagte Oros nach Angaben der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax. "Alles ist sauber und legal in Oradea." Zwar würden in seinem Krankenhaus tatsächlich "klinische Studien" stattfinden. Jedoch würden dabei nur bereits zugelassene Medikamente benutzt.

"Diese medizinische Forschung ohne tatsächliche Einwilligung der Patienten ist menschenunwürdig", stellten die Experten des Europarats fest und forderten ein Ende derartiger Praktiken. Besorgt äußerten sie sich auch über die Zahl der Todesfälle in rumänischen psychiatrischen Anstalten. Zahlreiche Verstorbene hätten an schwerer Unterernährung gelitten, hieß es in dem Bericht.

Es riecht nach Exkrementen und Urin

Die Unterbringung der Patienten in Oradea und in einer Klinik in Nucet nannten die Experten "sehr gut bis sehr schlecht". Ein Teil der Gebäude in Oradea sei zufriedenstellend renoviert worden, doch andere Teile des Krankenhauses seien verwahrlost und schlecht ausgerüstet. In Nucet rieche es in vielen schmutzigen Zimmern nach Exkrementen und Urin. Das Komitee forderte die Behörden auf, die Unterbringungen der Patienten zu verbessern.

Das Komitee des Europarates überprüft in regelmäßigen Abständen Polizeikommissariate, Gefängnisse und psychiatrische Kliniken in den 47 Mitgliedsländern der Staatenorganisation und hat Rumänien im Juni 2006 kontrolliert. (bai/dpa)

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