Politik : Rumänien: Stichwahl um das Amt des Präsidenten

Die Rumänen haben am Sonntag in einer Stichwahl über den künftigen Staatspräsidenten abgestimmt. Mehr als 17,2 Millionen Bürger waren aufgerufen, zwischen dem Ex-Kommunisten Ion Iliescu und dem Ultra-Nationalisten Corneliu Vadim Tudor zu entscheiden. Keiner der beiden Politiker hatte beim ersten Wahlgang am 26. November die absolute Mehrheit erreicht. Iliescu erhielt 36 Prozent der Stimmen, Tudor überraschende 28 Prozent. Mit dem Endergebnis der Stichwahl wird nicht vor Dienstag gerechnet. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage zur Stichwahl lag Tudor mit 31 Prozent weit hinter Iliescu mit 69 Prozent der Stimmen. Allerdings waren für den Ultranationalisten auch vor der ersten Runde lediglich 14 Prozent der Stimmen prognostiziert worden.

Iliescu und seine Partei der Sozialen Demokratie (PDSR) hofften auf Stimmen der Wähler der bürgerlich-liberalen Parteien, die die Parlamentswahl vom 26. November verloren hatten. Diese Parteien appellierten an ihre Anhänger, "gegen den Extremismus" zu stimmen. Ähnliche Positionen nahmen die Kirche sowie Menschenrechts- und Studentenorganisationen ein. Beobachter in Bukarest gingen indes davon aus, dass ein Sieg Iliescus von einer hohen Wahlbeteiligung abhängt.

Tudor hatte einen Wahlkampf mit fremdenfeindlichen Sprüchen und populistischen Versprechungen geführt. Nach besorgten Reaktionen aus dem In- und Ausland haben sich inzwischen viele Rumänen von Tudor abgewandt. Ein Wahlsieg des Extremisten würde zum Abbruch der Aufnahmeverhandlungen Rumäniens mit der Europäischen Union führen, meinen seine politischen Gegner. Er dürfte außerdem zu einer komplizierten innenpolitischen Lage führen, da Tudors Partei Romania Mare (Großrumänien) im Parlament nur ein Viertel der Mandate hat. Beobachter rechnen in diesem Fall mit Neuwahlen. Iliescu war von 1990 bis 1996 der erste rumänische Präsident nach Entmachtung der Kommunisten.

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